Zytostatika

Spiegel: Ermittlungen gegen Oncosachs, Ribosepharm und Zyo Pharma dpa/APOTHEKE ADHOC, 07.04.2012 11:05 Uhr

Berlin - Seit Jahren beschäftigt sich der „Spiegel“ mit Ermittlungen gegen Onkologen, Zyto-Apotheker und Herstellbetriebe. In seiner aktuellen Ausgabe greift das Nachrichtenmagazin einige Fälle neu auf: Auch drei Pharmafirmen stehen demnach im Visier der Ermittler, weil sie systematisch bestochen haben sollen. Die Unternehmen sollen Kassenärzten Geld gezahlt haben, wenn sie deren Krebspräparate bevorzugen.

Ein Jahr nach dem Beginn der Ermittlung gegen Oncosachs will die Staatsanwaltschaft Dresden laut Bericht Anklage gegen Verantwortliche des Leipziger Herstellbetriebs erheben. Die Firma, die bei der ersten AOK-Ausschreibung über mehrere Apotheken fast ganz Berlin exklusiv belieferte und die heute zu GHD gehört, soll den Krebsärzten mehrere hundert Euro pro Patient gezahlt haben, wenn die Mediziner ihre Präparate bevorzugten.

Wolfgang Klein, Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Dresden, sagte dem Magazin, ermittelt würde wegen des Verdachts auf Bestechlichkeit auch gegen 47 Krebsärzte aus mehreren Bundesländern. Sie sollen bis 2008 vor allem „Mietzuschüsse“ von Oncosachs kassiert haben. Später soll das Geld über Scheinstudien geflossen sein. Ein Arzt soll dabei beispielsweise von 2005 bis 2011 mehr als eine halbe Million Euro erhalten haben.

In München hat die Staatsanwaltschaft laut Spiegel ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Bestechung und Bestechlichkeit gegen den Geschäftsführer von Ribosepharm eröffnet. Den Ermittlungen zugrunde liegt demnach eine 440 Seiten umfassende Strafanzeige der AOK Niedersachsen. Ribosepharm, die Krebssparte des britischen Herstellers Hikma, soll unter anderem Krebsärzten in der ganzen Republik über eine zwischengeschaltete Firma die Praxis-Homepage finanziert haben. 

In Hamburg ermittelt laut Spiegel die Staatsanwaltschaft gegen Verantwortliche des Krebsmittelherstellers Zyo Pharma wegen des Verdachts der Ärztebestechung. Die Firma soll über sogenannte „wissenschaftliche Kooperationsvereinbarungen“ hohe Beraterhonorare an Ärzte gezahlt haben.

Zyo Pharma bestreitet, dass es sich bei den Beratungsverträgen um Scheinverträge gehandelt habe. Der Geschäftsführer der Firma soll laut Spiegel einer ehemaligen Mitarbeiterin, die sich der Polizei als Zeugin zur Verfügung stellte, in einem Brief gedroht haben: „Dein Ende ist nahe.“

Die Firma stand erst vor einem Jahr in den Schlagzeilen, als Firmenchef Rolf-Dieter Lampey vom ZDF-Magazin Frontal21 mit versteckter Kamera bei dem Versuch gefilmt wurden, einen Journalisten anzuheuern, um einen missliebigen Zeugen in den Medien fertigzumachen: „Wie können wir dem mal zeigen, wo es langgeht, und dem eine überbraten?“ Hinterher gab es allerdings auch Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Autors des Beitrags.

Die Staatsanwaltschaft Erfurt wiederum hat Anklage erhoben gegen einen Arzt und zwei Apotheker aus Thüringen. Der Arzt soll von den beiden Apothekern Vorteile und Zahlungen in einer Größenordnung von einigen 100.000 Euro dafür erhalten haben, dass er Zytostatika bei ihnen bezog.

Die Vereinbarungen ähneln sich einem Sprecher der Staatsanwaltschaft Erfurt zufolge, wurden aber nacheinander getroffen. Nach seinen Angaben wurde die Anklage gegen das Trio wegen des Verdachts auf Bestechlichkeit und Bestechung bereits vor einiger Zeit erhoben. Die Anklage sei dem Landgericht Mühlhausen zugeleitet worden. Zum Verhandlungstermin konnte der Sprecher nichts sagen.

In Mannheim schließlich hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen drei Pharmaunternehmer erhoben, die in mehreren hundert Fällen Krebsmedikamente aus Argentinien importierten, die in Deutschland nicht zugelassen waren. Der Staatsanwalt schließt seine Anklage mit der Bemerkung, dass „der vorliegende Ermittlungskomplex ein beängstigendes Bild auf eine Vielzahl deutscher Apotheker wirft“. Hier geht es offenbar um die sogenannte Holmsland-Affäre.

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