Beratungsgespräche

Müdemacher fürs Kind: „Ich bin keine Rabenmutter!" Anja Alchemilla, 15.04.2018 07:50 Uhr

„Ich bin keine Rabenmutter! Ich kann aber einfach nicht mehr. Der Kleine weint und weint den halben Tag und die halbe Nacht und ich finde einfach keine Ruhe mehr. Ich bin am Ende und meine Hebamme kommt auch nicht mehr, weil die Krankenkasse sie nur für ein paar Wochen bezahlt. Sie hatte immer gute Tipps. Bitte. Ich brauche diese Zäpfchen, sonst weiß ich nicht, wie ich diese Woche überstehen soll. Mein Mann ist seit zwei Wochen auf Montage und ich habe hier niemanden, der mir den Kleinen abnehmen kann.“

Anja versteht die junge Mutter nur zu gut – auch ihr Kind war mit ein paar Monaten für sie trotz all der Freude auch eine große körperliche und seelische Belastung. Sie klärt die verzweifelte Kundin darüber auf, dass solche Medikamente den natürlichen Schlafrhythmus unterbinden und zu erhöhter Tagesmüdigkeit und damit zu einem allgemein noch unzufriedeneren und quengeligeren Kind führen. Außerdem sind die Nebenwirkungen der „Schlafmittel“ nicht zu unterschätzen, denn eine Atemdepression beim Säugling kann extrem gefährlich werden. Sie empfindet es grundsätzlich als den falschen Weg, dem Kind in solch einem Fall irgendetwas zu verabreichen, der Mutter selbst sollte geholfen werden. Das können die Experten der Schreiambulanzen am besten. Diese gibt es überall in Deutschland verteilt und unter der Website elterngeld.de/schreiambulanzen/ nach Postleitzahl sortiert. So hilft sie ihrer Patientin, eine kostenfreie in der Nähe herauszusuchen.

Als die etwas getröstete Jungmama die Apotheke verlässt, ist Anja erleichtert. Gut, dass die Dame so viel Vertrauen zu ihr als Apothekerin hatte, dass sie sich ihren Rat zu Herzen genommen hat. Apotheken sind eben doch mehr als reine Medikamentenausgabestellen, sondern haben eine wichtige Beratungsfunktion. Auch wenn sie in diesem Fall kein Geld eingenommen hat, ist die Filialleiterin zufrieden mit dem Verlauf der letzten halben Stunde. Denn den Menschen zu helfen können, ist genau der Grund, warum sie ihren Beruf so liebt.

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