Karneval

K.o.-Tropfen: LKA warnt vor Testarmbändern APOTHEKE ADHOC, 30.01.2020 11:05 Uhr

Zu Karneval erwartet die Polizei mehr Zwischenfälle mit Gammahydroxybuttersäure. Den Einsatz von K.o.-Tropfen Testarmbändern sieht das LKA kritisch. Foto: APOTHEKE ADHOC
Berlin - 

Die Gefahr, mit K.o.-Tropfen willenlos gemacht zu werden, steigt in der 5. Jahreszeit besonders in den Karnevalshochburgen. Der Inhaltsstoff Gamma-Hydroxybuttersäure ist geruchs- und geschmacksneutral und kann daher unbemerkt in offene Getränke gemischt werden. Den Einsatz von Testarmbändern sieht das Landeskriminalamt Hessen (LKA) kritisch.

Während der Karnevalszeit vergessen viele Feierlustige die Gefahr von K.o.-Tropfen. Das LKA empfiehlt, dass man sein Getränk nie unbeaufsichtigt stehen lassen sollte und keine offenen Getränke annehmen sollte. Von Testarmbändern rät die Polizei ab: „An sich ist die Idee gut, ein solches Armband zu entwickeln,“ betont der Präventionsexperte Claus Opfermann, „aber es bietet keinen hundertprozentigen Schutz, da es zu viele unterschiedliche Substanzen in verschiedenen Konzentrationen und Mischungen gibt.“

Testarmband

Seit knapp einem Jahr ist ein Armband auf dem Markt, welches als Teststreifen fungiert – Xantus ist ein weißes Papierarmband und dient der Prävention. Es leuchtet im Schwarzlicht und ist für Täter und Träger gut zu erkennen. Die Anwendung ist laut Hersteller einfach und liefert schnelle und sichere Ergebnisse. Das Resultat ist auch bei schlechten Lichtverhältnissen gut erkennbar, denn bei positivem Nachweis ist im Schwarzlicht auf dem Armband ein dunkler Fleck zu sehen.

Detektion ab 1,5 g GHB pro 100 ml

Der Hersteller gibt an, dass eine eindeutige Färbung des Testfeldes bei 1,5 g Substanz auf 100 ml Flüssigkeit erzeugt wird. Somit kann das Armband hohe und sehr hohe Dosen, die zumeist zur Bewusstlosigkeit führen, detektieren. Zum Aufspüren von geringeren Dosierungen, die zu Bewusstseinseintrübungen führen können, eignet sich Xantus nicht.

Zahlreiche Substanzen

Neben GHB kommen auch andere Substanzen in K.o.-Tropfen zum Einsatz. Gamma-Butyrolacton ist eine Vorstufe von GHB, ebenfalls farb- und geruchslos und führt zu ähnlichen Symptomen bei gleicher Dosierung. Aus der Clubszene ist der missbräuchliche Einsatz von Ketamin bekannt: Die Einnahme des Schmerz- und Narkosemittels kann zu Erinnerungslücken führen. Auch eine zu hohe Dosierung von Benzodiazepinen kann Blackouts zur Folge haben. Die Liste an Medikamenten, die potentiell als K.o.-Substanz missbraucht werden können, ist lang. Das Testarmband kann aktuell nur auf GHB prüfen.

Gamma-Hydroxybuttersäure (GHB)

Die Carbonsäure ist eng verwandt mit dem menschlichen Neurotransmitter Gamma-Aminobuttersäure (GABA). Der Stoff wird medizinisch als intravenöses Narkotikum, zur Behandlung der Narkolepsie und der Parkinsonkrankheit sowie als Begleitmedikation bei einem Alkoholentzug eingesetzt. In Deutschland unterliegt GHB dem Betäubungsmittel-Gesetz. Bis 2002 war die Substanz in Deutschland legal erhältlich. Seitdem ist es auf dem Schwarzmarkt als hygroskopischer Feststoff und als farblose oder eingefärbte Flüssigkeit in Fläschchen erhältlich. Seit dem Verbot werden häufig chemisch verwandte Vorläuferstoffe wie Gamma-Butyrolscton (GBL) konsumiert. Dieser Stoff wird im Körper zu GHB metabolisiert und besitzt deshalb eine ähnliche Wirkung.

Tipps zum Umgang mit Getränken

  • Getränke nie unbeaufsichtigt lassen.
  • Getränke nur annehmen, wenn deren Weg vom Ausschank bis zur Übergabe verfolgt werden konnte.
  • Im Zweifelsfall ein neues Getränk bestellen.
  • Gegenseitig auf Getränke achten.
  • Bei Übelkeit oder Schwindel direkt zu Freunden gehen.
  • Bei „Filmriss“ trotz geringen Alkoholkonsums sollte Hilfe gesucht werden.
  • Da die Substanz ist nur kurze Zeit im Körper nachweisbar ist, sollte eine Urin- oder Blutprobe im Ernstfall schnell abgegeben werden.
  • Bei Verdacht auf K.o.-Tropfen sollte ein Krankenhaus aufgesucht werden.