Landarztquote sorgt für Nachwuchs

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Beate Reinhardt vom Hausärzteverband sagt, die Landarztquote sei ein Beginn, mal über die Auswahlverfahren zum Medizinstudium nachzudenken und „vielleicht zusätzliche Kriterien aufzunehmen. Das heißt: soziale Kompetenz, praktisches Wissen. Das ist superwichtig in der Medizin.“ Man sehe das an den Menschen: „Wenn sie sozial tätig waren, wissen sie eher, auf was sie sich einlassen und was sie sich wünschen.“ Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer, sagt: „Die Zulassung zum Medizinstudium sollte nicht nur vom Numerus Clausus abhängen.“

5,8 Prozent der Studienplätze werden derzeit für die angehenden Landärzte vorgehalten. „5,8 Prozent sind gut, aber es geht noch besser“, sagt Reinhardt. Grundsätzlich würde man beim Hausärzteverband eine höhere Quote begrüßen. Quitterer von der Landesärztekammer sagt, die Höhe der Quote sei nur ein Baustein. „Wichtiger wäre es, 150 bis 200 Studienplätze mehr pro Jahr zu schaffen“, sagt er. Denn in Zukunft seien etwa aufgrund von Teilzeitarbeit mehr Köpfe für die gleiche Arbeit nötig.

Laut Gesundheitsministerium werden rund 350 neue Medizinstudienplätze geschaffen. An der Höhe der Quote wird sich aber nichts ändern. In Bayern sei der Spielraum für die Landarztquote im Rahmen der – laut Staatsvertrag – möglichen Vorabquoten bereits voll ausgeschöpft, teilt das Ministerium mit.

Die Quote ist nur eine von mehreren Maßnahmen des Freistaats, mit der Mediziner dorthin gebracht werden sollen, wo sie gebraucht werden. Derzeit hat der Freistaat in 18 von 204 Planungsbereichen eine „drohende Unterversorgung“ ermittelt. Wo es für Blumenthal und Waininger nach zwölf Jahren Studium und Facharztausbildung hingeht, lässt sich heute aber noch nicht sagen.

Als Alternative wäre den beiden wohl nur geblieben, fürs Medizinstudium ins Ausland zu gehen. Für Blumenthal wäre das nicht infrage gekommen, sagt er. Er fühle sich hier wohler, außerdem hätte die Entscheidung fürs Ausland wohl ziemliche hohe Studienkosten bedeutet. „Das wäre ein großes Opfer. Ein größeres Opfer als dieser Vertrag auf jeden Fall”, sagt Clara Waininger.

Denn mit der Zusage treffen Landarztquoten-Studierende in jungen Jahren eine weitreichende Entscheidung: Nach Studium, Ausbildung und zehn Jahren Arbeit als niedergelassene Ärzte werden sie über 40 Jahre alt sein. „Man verschiebt seinen kompletten Lebensmittelpunkt einfach irgendwo anders hin“, sagt Tommy Blumenthal aus Sachsen-Anhalt. „Aber das ist es mir absolut wert.“

Clara Waininger sagt, für sie sei die Entscheidung nicht so schwer gewesen. „Ich finde das ein äußerst faires Angebot, dass ich diesen Studienplatz dafür bekomme, dass ich mich verpflichte.“ Sie sei im Bayerischen Wald aufgewachsen. „Ich mag das Großstadtleben“, sagt sie. „Aber ich will auf jeden Fall wieder zurück.“ Und man könne auch danach noch Facharzt werden oder sich in einer Klinik anstellen lassen: „Wir leben, glaube ich, in einer Zeit, in der auch mit 40 Jahren das Leben noch nicht vorbei ist.“

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