Herzkrankheiten als größter Killer

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Bundesländer: Nach wie vor gibt es bei Herzkrankheiten ein auffälliges Gefälle zwischen den Bundesländern. Mit Blick auf die Sterbeziffern (Tote pro Hunderttausend Einwohner), aus denen der Faktor Lebensalter bewusst herausgerechnet wurde, zeigen mit Blick auf den Bundesschnitt Sachsen-Anhalt (plus 28,5 Prozent), Thüringen (plus 16,3 Prozent), Bremen (plus 15,4) und Mecklenburg-Vorpommern (plus 14,8 Prozent) die negativsten Werte. Sehr positiv entwickelten sich Berlin (minus 24,2 Prozent), Hamburg (minus 16,4 Prozent) und Baden-Württemberg (minus 10,8 Prozent). „Kritisch sehen wir, dass die Bundesländer mit der geringsten Kardiologendichte zugleich gegen eine überdurchschnittlich hohe Infarktsterblichkeit ankämpfen“, sagt Meinertz. An der Spitze liege dabei Sachsen-Anhalt.

Faktor Bildung: „Je höher der Bildungsstand, desto gesünder verhalten sich die Menschen: Sie rauchen weniger, sind sportlich aktiver und essen mehr Obst und Gemüse“, bilanziert Dr. Hannelore Neuhauser vom Robert Koch-Institut (RKI). Zweieinhalb Stunden Ausdauersport pro Woche empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation WHO. Dieses Pensum schaffen in Deutschland aber weniger als die Hälfte der Männer (48 Prozent) und Frauen (43 Prozent). Rund die Hälfte der Befragten gibt darüber hinaus an, bei der Arbeit vorwiegend zu sitzen oder zu stehen – ohne Bewegung. Während Bundesbürger mit höherem Bildungsniveau in den vergangenen Jahren sportlich aktiver wurden, habe sich bei Menschen mit niedrigerem Bildungsstand nichts verändert, heißt es im Bericht.

Frauen und Männer: Wie in den Vorjahren treffen Herzkrankheiten häufiger Frauen. Die Sterbeziffern bei Herzrhythmusstörungen und Herzschwäche lagen 2015 für Frauen um 51 und 64 Prozent über dem Wert der Männer. Mögliche Gründe sind Besonderheiten etwa bei der Wirkung von Herzmedikamenten, anatomische Unterschiede bei Herz und Gefäßen sowie unterschiedliche Vorboten und Symptome von Herzkrankheiten. Ein Ausreißer ist der Herzinfarkt. Daran sterben nach wie vor mehr
Männer.

Risikofaktoren: Ein großer Teil der Herz-Kreislauf-Erkrankungen hat mit dem eigenen Verhalten zu tun: Bewegungsmangel, Rauchen und Übergewicht als Folge ungesunder Ernährung. Dadurch können zum Beispiel Bluthochdruck und Diabetes entstehen. Die beste Vorsorge ist deshalb eine Änderung des Lebensstils. „Das klappt aber nur, wenn Vorbeugung nicht ausschließlich als Aufgabe der Ärzte verstanden wird“, betont Professor Dr. Andreas Stang, Leiter des Zentrums für Klinische Epidemiologie am Uniklinikum Essen. Gefragt sei hier die ganze Gesellschaft.

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