Hecken: Homöopathie ist ein evidenzfreier Schrebergarten

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Professor Dr. Fritz Sörgel steht als Experte zu Seite und testet zwei Präparate – Belladonna und Nux vomica. Zuerst werden zehn Belladonna-Globuli D6 in Wasser aufgelöst und dann im Massenspektrometer untersucht. Es ist kein Ausgangsstoff nachweisbar, so das Ergebnis, nur ein Grundrauschen ist erkennbar. Anders bei Nux vomica, hier können im Labor noch geringste Spuren nachgewiesen werden. Eine Wirkung kann Sörgel dennoch nicht bestätigen. „Das ist eine Menge, die einfach keine Wirkung haben kann. Das ist viel zu wenig. Wir brauchen jetzt hier nicht über irgendwelche pharmakologischen Überlegungen sprechen.“ Für eine pharmakologische Wirkung müssten laut Sörgel etliche Tonnen der Globuli verabreicht werden.

Für Hannes Pröller von Gudjons ist die Potenzierung ein Handwerk und keine Esoterik. Energie sei notwenig um das Wasser zu prägen. Dazu seien Schläge nötig, kein Schütteln. Schlägt man auf das Kissen, sei im Fläschchen die Hölle los und dann werde das Wasser geprägt. Pröller bestätigt zumindest die Kritiker, wenn er sagt, dass im potenzierten Produkt kein Ausgangsmolekül enthalten ist – genau so wie Hahnemann es gewollt hat. „Eine Medizin zu haben, die Information beinhaltet und keine giftigen Moleküle mehr.“ Zwar kann auch Pröller die Wirkung nicht erklären aber zumindest bestätigen, dass die Mittel wirken „zumindest bei denen, die sich nicht dagegen stellen“.

Aber warum sind homöopathische Präparate dann Arzneimittel ohne Wirknachweis? 1978 übten Lobbyisten auf den Gesetzgeber Druck aus, heißt es im Beitrag, homöopathische Arzneimittel von der Evidenz zu befreien. Seitdem müssen die Alternativpräparate lediglich beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) registriert werden. In der Kommission sitzen ausschließlich Homöopathen. Jedes andere Arzneimittel muss durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA). Josef Hecken, Vorsitzender des G-BA, kritisiert, dass für homöopathische Arzneimittel kein Wirknachweis nötig ist. „Wir prüfen bei jedem neuen Arzneimittel, die Evidenz bis zur dritten Nachkommastelle und daneben existiert ein faktisch evidenzfreier Schrebergarten, in dem auf die Kraft von Gottes Natur vertraut wird.“

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