Früher Lazarett, jetzt Apotheke

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Das Gebäude steht unter Denkmalschutz, für die Außenfassade der Apotheke gelten strenge Richtlinien. „Als Außenwerbung ist nur ein Transparent erlaubt, alles andere darf keinen Kontakt zur Außenwand haben.“ Blinkende Schilder sind ein absolutes No-Go. „Die alten Gemäuer waren leer“, erzählt Walch, „die Festung war im Zweiten Weltkrieg Standort der Wehrmacht.“ Sie hatte einen berühmten Gefangenen mit militärhistorischer Bedeutung: General Hans Graf von Sponeck nahm im Rahmen der Heeresgruppe Süd an der Eroberung der Halbinsel Krim teil. Er bat angesichts der Lage – die Rote Armee hatte mit dem Gegenangriff begonnen – um die Erlaubnis zum Rückzug. Als diese ihm verweigert wurde, gab er den Befehl, die Halbinsel Kersch zu räumen. Damit rettete er tausenden Soldaten das Leben – Adolf Hitler tobte und ließ ihn zum Tode verurteilen. Dann wandelte er das Urteil in sechs Jahre Festungshaft um, die der General in Germersheim antrat.

Nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 allerdings wurde der General ohne Gerichtsurteil erschossen. In den letzten Jahren geriet Hans Graf von Sponeck durch den amerikanischen Historikers Erik Grimmer-Solem in die Kritik. Nicht zuletzt deshalb trägt die Kaserne seit vier Jahren nicht mehr seinen Namen und wurde offiziell in „Südpfalzkaserne“ umbenannt.

Ein Ort mit Geschichte – und einer neuen Apotheke, die binnen vier Monaten geplant und umgesetzt wurde. „Ich habe die alte Apotheke vor zwei Jahren von meinen Eltern übernommen, die Familie ist seit 55 Jahren ortsansässig, mein Großvater ist als Apotheker nach Germersheim gekommen.“ Mit dem Umzug musste der Enkelsohn eine schwierige Entscheidung treffen. „Am alten Standort hätten wir keine Zukunftsaussichten gehabt. Das Einkaufszentrum liegt in der Innenstadt, hier hätte sowieso eine neue Apotheke eröffnet.“ Also war ihm klar, dass er, wollte er überleben, die neue Apotheke wagen muss. In Germersdorf gibt es fünf Apotheken.

Walch fiel die Entscheidung nicht leicht, wenngleich er wusste, dass sein Vater sie wohl gutgeheißen hätte. „Er ist im vergangenen Jahr gestorben.“ Mit der Schließung kann der Sohn das Lebenswerk zwar nicht am selben Ort, jedoch 100 Meter weiter entfernt weiterführen. „Viele Kunden sagen, dass es schade um die alte Apotheke ist, weil die so schön war“, sagt Walch, „und dann fügen sie hinzu: ‚Aber hier ist es noch schöner.‘“

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