Behandlung mit Hyaluronsäure-Spritzen

„Frankensteins Gesellenstück“: Haftstrafe für Heilpraktikerin

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Die geschädigte Kundin erschien zu dem Prozess als Zeugin, wurde vom Gericht aber nicht mehr vernommen. Nach der Verhandlung sagte sie, die Heilpraktikerin habe damals Seminare in mehreren Städten gemacht. Sie selbst habe nach ihrer Behandlung in Hamburg überall Abszesse im Gesicht gehabt. „Ich war entsetzt“, sagte die 55-jährige Frührentnerin aus Nordfriesland. Sie sei danach innerhalb von fünf Wochen dreimal unter Vollnarkose operiert worden.

Bereits Ende 2020 hatte die Nordfriesin der Bild-Zeitung gesagt, dass sie eine Falte zwischen Nase und Mundwinkel behandeln lassen und einen Teil der Augenbrauen loswerden wollte. Eine Freundin habe ihr die Heilpraktikerin empfohlen. Das Angebot für 160 Euro sei günstig gewesen. „Ich sollte als Model für eine ihrer Schülerinnen zur Verfügung stehen, ging aber davon aus, dass (die Heilpraktikerin) dabei ist und notfalls einschreitet“, sagte die Kundin der Hamburger Morgenpost. Doch nach der Behandlung sei sie voller Pusteln gewesen. „Ich sah aus wie Frankensteins Gesellenstück“, sagte sie der Bild-Zeitung. „Jetzt habe ich mehr Falten als vorher.“ Die Kundin hat die Heilpraktikerin auch in einem Zivilverfahren auf Schmerzensgeld verklagt. Das Landgericht Flensburg habe der 55-Jährigen in einem Versäumnisurteil 12 000 Euro zugesprochen, sagte der Gerichtssprecher.

Die Vereinigung der Deutschen Ästhetisch-Plastischen Chirurgen (VDÄPC) hatte im Herbst vergangenen Jahres eine stärkere rechtliche Beschränkung von Behandlungen dieser Art gefordert. „Filler-Materialien“ gegen Falten wie Botox oder Hyaluronsäure seien Medizinprodukte. „Jeder kann sie erwerben. Das ist eine ganz bizarre Situation. Es gibt viele Stellen, die das legal machen dürfen, obwohl sie mögliche Komplikationen nicht behandeln könnten“, sagte der Präsident der Fachgesellschaft, Steffen Handstein, auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie (DGÄPC) in Bielefeld.

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