Approbation soll Führerschein retten

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Obendrein gebe es keine Alkoholvorgeschichte und keine Nachsorgemaßnahmen, wie sie bei einem Alkoholkranken zu erwarten gewesen wären. Niemand aus dem Kreis der zu einer Verhaltensbeobachtung in Betracht kommenden Personen wie Lebenspartner, Familienangehörige, Hausarzt, Ärzte bei der früheren Krankenhausbehandlung wegen Burnout, Nachbarn, Gastwirte, Polizeibeamte oder Zufallsbegegnungen habe je von einer Alkoholauffälligkeit gesprochen.

Auch Mitarbeiter und Kunden wurden in diesem Zusammenhang angeführt: Bei der Apothekertätigkeit sei zu keinem Zeitpunkt ein ausgeprägtes Suchtverhalten aufgefallen. Anlass zu der Annahme, er könne zwischen Fahren und Trinken nicht strikt trennen, bestehe schon deshalb nicht, weil er auch seine Tätigkeit als Apotheker nur ohne alkoholische Beeinträchtigung durchführen dürfe – und dies ohne Unterbrechung über den Anlassfall hinaus zweifelsfrei tue.

Am Ende gingen die Richter nicht weiter darauf ein, kamen aber trotzdem zu dem Ergebnis, dass der Widerspruch voraussichtlich Erfolg haben wird: Denn die Diagnose der Alkoholabhängigkeit sei weder dem vorgelegten Fahreignungsgutachten noch dem Entlassungsbericht des Bezirksklinikums nachvollziehbar und schlüssig zu entnehmen: Der nicht einmal 24-stündige Aufenthalt im Bezirkskrankenhaus liefere allenfalls eine punktuelle Momentaufnahme – die spärliche Datenlage genüge offensichtlich nicht, um die Diagnose eines Abhängigkeitssyndroms zu stellen.

Der durchgeführte Atemtest liefere allenfalls Anhaltspunkte für die Alkoholmenge und sei nicht geeignet, alle darauf fußenden Annahmen hinreichend zu stützen. „Im Hinblick darauf, dass der Antragsteller, der nach seinen Angaben seit dem Kurzaufenthalt im Bezirksklinikum Ende Januar 2020 keinen Alkohol mehr zu sich genommen hat, nachgewiesen hat, dass er mittlerweile ein Jahr abstinent gelebt hat, und ansonsten nichts über ein Alkoholproblem des Antragstellers bekannt ist, gibt der Vorfall vom Januar 2020 auch keinen hinreichenden Anlass mehr, hieraus gegenwärtig noch Fahreignungszweifel herzuleiten.“

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