Wird Aporisk zum Risiko für Apotheken?

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Doch nicht nur die Identität, auch die Geschäftspraktiken des tatsächlichen oder vermeintlichen Geschäftsführers von Aporisk stehen weiter zur Debatte: Über den bereits durch das Landgericht Lübeck bestätigten Fall hinaus liegen weitere Indizien dafür vor, dass Aporisk Kunden über die tatsächliche Höhe von Versicherungsleistungen getäuscht haben könnte. So bewirbt Aporisk unter dem Namen „PharmaRisk Fixum“ einen Inventar- und Haftpflichtschutz, bei dem als Risikoträger ebenfalls die Helvetia benannt ist und dessen Leistungsinhalte große Fragen aufwerfen.

So bewirbt Aporisk unter Nennung der Helvetia mehrere Leistungen, die sich in den einschlägigen Bedingungswerken so nicht wiederfinden: eine Versicherung des Verderbs von Medikamenten bei Ausfall von Kühlschränken pauschal bis 750.000 Euro pro Versicherungsfall ohne weitere Einschränkungen wird da beispielsweise angepriesen, während im Sideletter der Helvetia zur Rahmenvereinbarung mit Aporisk nur die Rede von 150.000 Euro je Versicherungsfall ist. In einem Angebotsschreiben von Aporisk, das APOTHEKE ADHOC vorliegt, bewirbt das Maklerunternehmen außerdem einen Verzicht auf den Einwand der Leistungskürzung bei grob fahrlässiger Verursachung von Schäden ohne Einschränkung – also bis zu einer Summe von 5 Millionen Euro. Auf der Homepage wiederum ändern sich die Angaben und reichen von 500.000 bis 1 Million Euro. Und was steht in der Zusatzvereinbarung mit der Helvetia? Hier ist die Rede von 50.000 Euro.

Ebenso sieht es bei Retaxationen aus: Hier wirbt Aporisk mit der Möglichkeit einer pauschalen Versicherung bis 1 Million Euro und ohne Zuschlag bis 60.000 Euro. Die Helvetia-Vereinbarung hingegen umfasst nur 60.000 Euro bei Zuzahlung. Ähnliche Vorwürfe stehen mit Blick auf Policen mit dem anderen von Aporisk vermittelten Risikoträger Basler im Raum. Sollten sie ebenfalls zutreffen, könnte das schlimmstenfalls für betroffene Apotheken gravierende Folgen haben: Versicherungsleistungen wären bei weitem nicht in dem Maße abgedeckt, von dem sie ausgehen und wie es ihnen versprochen wurde.

*Anm. d. Redaktion: In einer früheren Version des Artikels hieß es, Seyfettin Günder sei der Neffe von Arslan Günder und zwischen 40 und 50 Jahren alt. Aporisk stellte daraufhin klar, Seyfettin Günder sei 57 Jahre alt und der Sohn von Arslan Günder, der nicht gesundheitlich beeinträchtigt sei, ihm aber eine Vollmacht zur Vertretung in allen geschäftlichen Belangen ausgestellt habe.

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