Wird Aporisk zum Risiko für Apotheken?

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„Unsere ursprüngliche Werbemaßnahme und unser Vorhaben wurde durch die einstweilige Verfügung ohnehin beendet, sodass wir mit diesen Werbeaussagen bei der Cyberversicherung nicht arbeiten“, so eine Sprecherin von Aporisk. Tatsächlich fanden sich jedoch auf der Aporisk-Homepage noch Ende Oktober dieselben vom Landgericht Lübeck untersagten Werbeversprechen zu Marktgarantie und Bestandsgarantie. Anders als in der Cyberversicherung gebe es jedoch Geschäftsversicherungslösungen, bei denen Aporisk „sehr wohl die Marktgarantie, rahmenvertragsrechtlich, zusichern können.“ In der Cyberversicherung sei das vorerst nicht so möglich gewesen, „wie wir es gerne gesehen hätten.“ Allerdings: „Dadurch abzuleiten, dass wir die Apotheker in Deutschland benachteiligen würden und im Schadenfall sogar im Stich lassen könnten, ist eindeutig falsch.“ Die Apotheken hätten zu keiner Zeit einen Nachteil gehabt.

Große Zweifel an der Seriosität von Aporisk schürt allerdings auch eine zentrale Personalie, denn es steht auch ein anderer schwerer Vorwurf im Raum: Der Geschäftsführer von Aporisk betreibe Identitätsverschleierung. Laut einem Auszug der Wirtschaftsauskunft Creditreform, der APOTHEKE ADHOC vorliegt, ist Geschäftsführer Arslan Günder im August 1940 geboren, also 81 Jahre alt. Das deckt sich jedoch nicht mit der Person, die sich gegenüber Kunden – und mutmaßlich auch Versicherungsgesellschaften – regelmäßig als Geschäftsführer Arslan Günder vorstellt: Ein deutlich jüngerer Mann, der durch seine Eloquenz und seinen Redefluss auffällt. Zwei weitere Versicherungsmakler, die unabhängig voneinander in juristischen Auseinandersetzungen mit Aporisk vor Gericht standen, erklären, beide Personen zu kennen: Demnach handelt es sich um Seyfettin Günder, den Sohn des offiziellen Geschäftsführers.*

„Bei den Verhandlungstagen war stets der junge Günder aufgetreten, bis explizit der eingetragene Geschäftsführer geladen wurde“, erinnert sich einer der Beteiligten. Doch der Auftritt des echten Geschäftsführers sei wenig zielführend gewesen: Arslan Günder selbst sei gar nicht mehr handlungsfähig, erzählen beide ehemaligen Prozessgegner übereinstimmend. Er könne einem Gerichtsverfahren nicht mehr folgen und spreche kaum mehr ein Wort Deutsch. Vermutlich sei er gesundheitlich beeinträchtigt. Das Unternehmen führe deshalb sein Sohn und gebe sich dabei gegenüber Kunden als Arslan Günder aus. Am Telefon klingt die Person, die angibt, Arslan Günder zu sein, ganz anders als von den Prozessteilnehmern beschrieben: eloquent und ohne jeglichen Akzent. „Doch, ich bin 1940 geboren. Ich bin ein jung gebliebener Mann“, erwidert er auf die Frage nach seinem Geburtsdatum. „Der alte Günder hätte niemals so reagieren können“, meint einer der beiden Versicherungsmakler dazu.

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