„Wir rennen alle für unser Geld“

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Zum Spagat, den Feuerstein hinlegen musste, gehörte es, bei den Teilnehmern Begeisterung für seine und Oberhänslis Milliardenträume zu wecken und gleichzeitig den Eindruck zu vermitteln, dass man, obwohl mittlerweile am Kapitalmarkt angekommen, eigentlich immer noch eine große Familie sei. So erklärte er geduldig, dass es mit Aktionären sei wie mit Kindern: Man könne sie sich nicht aussuchen. Und dass man kein Geld einsammle, um es gleich wieder auszuschütten. Und immer wieder betonte er, dass auch er und das Management stark bei Zur Rose investiert seien, weil sie nämlich an das Unternehmen glaubten. „Wir rennen für unser eigenes Geld.“

Von „gewaltigen Marktbearbeitungschancen“ sprach Feuerstein, vom Feld, das man jetzt bestellen müsse, um später ernten zu können. Vom Kuchen, aus dem man sich ein „beträchtliches Stück herausschneiden“ wolle. Und vom Wachstum, über das man nicht nur den Aktienkurs treibe, sondern das alternativlos sei: „Wir wollen nicht nur die Nummer 1 sein, weil es schön ist, sondern weil es unsere Zukunft sichert.“ Dauerhaft werde Amazon den riesigen Markt nicht liegen lassen, wie man in den USA schon sehen könne. „Wir müssen unsere Position ausbauen, wenn wir in diesem Orchester dauerhaft und in erster Reihe dabei sein wollen.“ Und noch einmal anders ausgedrückt: „Größe ist nicht alles, aber ohne Größe ist alles nichts.“

Viele Nachfragen hatten die Kleinaktionäre dem nicht entgegen zu setzen. Nur ein Thema drohte Feuerstein, der ansonsten mit viel Charme souverän durch die Veranstaltung führte, dann doch kurz gefährlich zu werden: Welche Differenzen es mit Großaktionärin Vanessa Frey gegeben und welches Insiderwissen sie dazu bewogen habe, auf die Kapitalerhöhung zu verzichten und ihr Mandat als Verwaltungsrat niederzulegen, wollten gleich zwei Teilnehmer wissen, die die Geschichte vom angeblichen Patzer der Hausbank nicht glauben wollten.

„Shit happens“, sagte Feuerstein dazu und beteuerte, dass man den Vorfall „solide untersucht“ und keine weiteren Auffälligkeiten gefunden habe. Und dass es nicht nur Missgeschicke, sondern manchmal auch Meinungsunterschiede gebe, gehöre im Geschäftsleben dazu. Hier sei es eben die Akquisitionsstrategie gewesen, mehr gebe es dazu nicht zu sagen, man sei schon maximal transparent gewesen. Dann beeilte er sich, den Eindruck zu zerstreuen, dass der Haussegen schief hänge: „Wir laufen nicht mit dem Messer durch die Gegend“, sagte er und blickte hinüber zur wichtigsten Investorin. Die schickte aus der ersten Reihe ein bittersüßes Lächeln zurück.

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