Teleclinic: E-Rezepte nur für eine Versandapotheke

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Huber und Bergner scheinen bei Weitem nicht die einzigen zu sein, die das im Moment erregt. „Wir erhalten gerade viele Anrufe von Apotheken, die uns fragen, warum sie keine Rezepte mehr empfangen können“, sagt Teleclinic-Geschäftsführerin Katharina Jünger. Den Vorwurf, der Hinweis an die Patienten sei ganz am Ende versteckt gewesen, weist sie ebenfalls von sich. „Das steht da groß und fett gedruckt.“ Auch um eine Zuweisung handele es sich keineswegs, denn: „Der Patient hat die Möglichkeit, bei unserem Kundenservice anzurufen und sich das Rezept per Post zusenden zu lassen.“ Glücklich sei sie mit dieser analogen Lösung natürlich auch nicht, aber auf die Schnelle gehe es nicht anders. Denn die Ursache des Problems liege nicht bei Teleclinic, sondern bei apotheken.de. Denn nur einen Tag, nachdem die Übernahme von Teleclinic durch DocMorris bekanntgegeben wurde, verkündete der Geschäftsführer des Deutschen Apotheken Verlags, Dr. Christian Rotta – der apotheken.de betreibt – dass damit eine rote Linie überschritten sei und die Zusammenarbeit mit Teleclinic mit sofortiger Wirkung beendet werde.

Jünger gibt den Vorwurf nun weiter: Der Deutsche Apotheker Verlag sei vor dieser Ankündigung gar nicht an Teleclinic herangetreten. „Von der Beendigung der Zusammenarbeit haben wir selbst erst aus der Presse erfahren“, sagt sie. „Wir würden liebend gern weiter digitale Rezepte an die Vor-Ort-Apotheken schicken, aber uns wurden ohne Vorwarnung die Schnittstellen zu apotheken.de gesperrt, sodass wir auf die Schnelle noch keine andere digitale Lösung entwickeln konnten.“ Sie versichert allerdings, bereits mit Hochdruck an einer neuen Lösung zu arbeiten und bereits mit zahlreichen Vor-Ort-Apotheken im Gespräch zu sein, um zeitnah eine neue Anbindung einzurichten.

Bergner indes weist Jüngers Einwand zurück: Nicht nur sei er an keiner Stelle auf diese vermeintliche Möglichkeit hingewiesen worden, sich ein Papierrezept per Post zusenden zu lassen – ihm sei von der Kundenberatung sogar explizit gesagt worden, dass das nicht gehe. „Ich habe die Kundenberaterin gefragt, ob es eine andere Möglichkeit gibt, an das Rezept zu kommen. Sie sagte mir, das geht nicht“, wendet er ein. „Hätte es die Möglichkeit gegeben, mir das Rezept für 80 Cent Porto zuschicken zu lassen, hätte ich das doch gemacht und es dann in der Apotheke nachgereicht.“ Stattdessen habe die Kundenberatung einen anderen Weg gewählt, ihm auszuhelfen: Ihm wurde die Rechnung für die Videosprechstunde erlassen.

*Name geändert, der echte Name ist der Redaktion bekannt.

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