Teleclinic: E-Rezepte nur für eine Versandapotheke

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Was also tun? Der Arzt hatte ihm explizit gesagt, dass er nicht warten soll. Also gab Huber ihm im guten Vertrauen trotzdem alles ab, auch das verschreibungspflichtige Cortison, und versicherte ihm, dass sie das schon geregelt kriegen. Irgendwie würden sie schon an das Rezept kommen. Huber schrieb an Teleclinic und fragte, was denn da nun los sei. Die Antwort folgte umgehend: „Es gibt zur Zeit leider ein Problem mit der Schnittstelle zu lokalen Apotheken, das wir gerade zu beheben versuchen“, heißt es in der Antwortmail. „Bis dahin können unsere Rezepte nur über unsere Online-Apotheke eingelöst werden.“

Huber schrieb zurück und beschwerte sich über das Vorgehen. Es könne nicht angehen, dass er Patienten abweisen muss, sollten die mit einem Rezept über verschreibungspflichtige Arzneimittel zu ihm kommen. „Ja, das kann ich gut verstehen“, antwortete ihm Teleclinic prompt. „Eigentlich werden unsere Patient*innen mehrmals vor Terminbuchung darauf hingewiesen, dass unsere Rezepte nicht bei Apotheken vor Ort und schon gar nicht ohne elektronische Übermittlung eingelöst werden können.“ Doch dem widerspricht Bergner. Im Nachhinein habe er es nochmal überprüft und sei zu dem Schluss gekommen: „Es stimmt schon, dass ganz am unteren Ende in den Farben, in denen die ganze App gehalten ist, klein darauf hingewiesen wird, dass derzeit keine Vor-Ort-Apotheken angebunden sind.“ Das habe er sicherlich bei der Terminbuchung übersehen – doch in allen anderen Nachrichten und Hinweisen sei davon nirgends die Rede gewesen.

Und vor allem: Der Arzt selbst wusste davon offensichtlich nichts. Im Gegenteil wies er ihn ja explizit darauf hin, dass er in eine Vor-Ort-Apotheke gehen soll. „Das hat mich in der Annahme bestärkt, dass das auch geht. Eigentlich hätte der Arzt in dem Moment sofort abbrechen und mich in eine Praxis schicken müssen“, sagt er. Dass der Arzt offensichtlich nichts von dem Problem wusste, mache ihn wütend. „Wenn ich in meinem Unternehmen eine solche Schieflage in einem so zentralen Prozess habe, dann muss ich doch die Ärzte, mit denen ich arbeite, sofort darüber informieren!“ Und auch die Kundenkommunikation sei absolut nicht ausreichend gewesen, kritisiert er. „Für den Patienten ist irreführend, nicht ausreichend darauf hingewiesen zu werden.“

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