Privatgroßhandel

Ebert+Jacobi: Der Niedergang Patrick Hollstein, 28.11.2016 10:19 Uhr



Ebert+Jacobi wurde wohl zum Verhängnis, dass zu viele Banken am Boot waren und dass fast alle Darlehen nur kurze Laufzeiten von weniger als einem Jahr hatten. 2011 hatte das Unternehmen zwar vier Millionen Euro über zwei stille Beteiligungen eingeworben; doch auch diese laufen 2018 aus und waren obendrein mit hohen Zinsen und bei gleichzeitigem Ausschluss einer Verlustbeteiligung teuer bezahlt.

Im Mai trafen sich die Geldgeber, um die Finanzierung von Ebert+Jacobi zu sichern und Restrukturierungsmaßnahmen einzuleiten. Stillhalteabkommen wurden verhandelt, Kreditrückzahlungen ausgesetzt. Bereits seit Jahresbeginn hatte eine auf Krisenfälle spezialisierte Beratungsfirma nach Optimierungsmöglichkeiten auf der Kostenseite gesucht und Empfehlungen abgegeben. Ein Krisenmanager wurde mit Generalvollmacht ausgestattet.

Als Gesellschafter fanden sich Schüller und Heide Stier im April damit ab, womöglich einen Investor an Bord holen zu müssen. Sie beauftragten einen Berater, der den Markt sondieren sollte. Im Sommer reifte die Erkenntnis, die Gruppe lieber als Ganzes unter Erhalt aller Standorte zu veräußern. Dann war vermutlich schnell klar, dass es in Essen einen Interessenten geben könnte.

Überrascht wurden auch die Kollegen von Pharma Privat. Noch auf den letzten Metern gab der Verbund ein „attraktives Angebot“ ab, um die Eigenständigkeit von Ebert+Jacobi zu retten und die eigenen Reihen geschlossen zu halten. „Wir waren eigentlich guter Dinge, dass wir – wie in der Vergangenheit bei anderen Gelegenheiten auch – intern zu einer Lösung kommen würden“, sagte Hanns-Heinrich Kehr, Geschäftsführender Gesellschaft von Richard Kehr.

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