Kooperationen

Klinikapotheken bündeln Einkauf Patrick Hollstein, 04.11.2014 11:17 Uhr

Berlin - 

Einkaufsverbünde gibt es nicht nur bei öffentlichen Apotheken, sondern auch im Krankenhausbereich. Schon in den 1970er Jahren schlossen sich die ersten Kliniken zusammen, um bei der Industrie zusätzliche Rabatte aushandeln zu können – mittlerweile gibt es unter den 400 Klinikapotheken kaum noch Einzelkämpfer. Jetzt fusionieren zwei Gruppen, die insgesamt Umsätze von rund 400 Millionen Euro in die Waagschale legen können.

Ab 2015 treten die Einkaufsgemeinschaften Kema und ApoContract gemeinsam auf. Zusammen kommen die beiden Verbünde auf 48 Klinikapotheken, die 250 Kliniken mit insgesamt 55.000 Betten versorgen. Mit mehr als 80 Herstellern gibt es Verträge. Zu Sprechern wurden bei der Gründungsversammlung in Limburg Dr. Andreas Portsteffen (Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke) und Dr. Andreas Troll (Leopoldina-Krankenhaus Schweinfurt) gewählt.

Eine zentrale Verwaltung gibt es nicht, stattdessen verhandeln die einzelnen Krankenhausapotheker jeweils bei bestimmten Herstellern den gesamten Bedarf für die Gruppe. Rückvergütungen auf das Gesamtsortiment werden entsprechend der Abrufmengen der Einzelmitglieder aufgeschlüsselt und vergütet.

Kema war vor fünf Jahren als regionaler Zusammenschluss der Klinikapotheken in Deggendorf, Freyung-Grafenau, Kelheim, Landshut, Straubing und Regensburg entstanden. Insgesamt wurden zuletzt 26 Kliniken beliefert. ApoContract wurde 2011 als Zusammenschluss von ApoConWest Synergon und Rhein-Mosel-Sieg gegründet und umfasste zuletzt 26 Klinikapotheken mit 140 Krankenhäusern und 35.000 Betten. Die Träger kommen sowohl aus dem kommunalen als auch aus dem kirchlichen oder privaten Bereich.

Laut Portsteffen gab es noch vor zehn Jahren überwiegend regionale Verbünde mit acht bis zehn Häusern. Die Konsolidierung in der Kliniklandschaft hat aber auch vor den Apotheken nicht halt gemacht, sodass heute im Wesentlichen noch ein halbes Dutzend größerer Zusammenschlüsse mit mehr als 15 Häusern übrig ist.

Mitunter geht es nicht nur um Arzneimittel, sondern auch um Sachbedarf. Weitere große Anbieter sind der Deutsche Städtetag, Agkamed und Prospitalia; auch bei der Klinikkette Sana können sich andere Krankenhäuser anschließen.

Generell gibt es im Klinikbereich keine Preisbindung, sodass die Konditionen umso günstiger sind, je größer und verbindlicher die Krankenhausapotheken, die nicht zu einem Konzern gehören, auftreten. „Auch wir sind gezwungen, den Einkauf zu bündeln und Sortimente abzusprechen“, sagt Portsteffen. Anders als in den Gesprächen mit anderen Lieferanten sei bei Arzneimitteln die Apotheke immer eingebunden; schließlich müssten die Vereinbarungen vor Ort umgesetzt werden.

Die Konditionen sind laut Portsteffen aber nur eine Seite der Medaille: In Zeiten, in denen durch Rabattverträge ganze Märkte leer gefegt würden, sei die Lieferfähigkeit ein zentrales Thema. „Wir haben in jedem unserer Verträge entsprechende Klauseln, die auch Vertragsstrafen und Ausgleichszahlungen vorsehen.“

Um eine kontinuierliche Versorgung gewährleisten zu können, sei auch nicht immer das günstigste Gebot entscheidend: „Es bringt uns nichts, wenn uns eine einzelne Palette aus Fernost unter Einstandspreis angeboten wird. Uns geht es um Konstanz und um Versorgungssicherheit. Gerade der deutsche Mittelstand hat das erkannt und arbeitet gut mit uns zusammen.“

Manchmal sei es aber schon erschreckend, wie wenige Anbieter bei einzelnen Wirkstoffen noch übrig seien, sagt Portsteffen. Gerade bei Injektabilia seien Probleme vorprogrammiert: „Wenn ein Klassiker wie Furosemid nur noch von drei oder vier Firmen hergestellt wird, dann kommen Sie schnell in den kritischen Bereich.“