Gemeinsam analysieren die Brüder die Schwächen der Firma und erkennen, dass sie handeln müssen: Ausgestattet mit Krediten und einer Landesbürgschaft, ersetzen sie den Hauptbetrieb in Braunschweig durch einen Neubau, der den Anforderungen der Zeit gerecht wird. Die Filiale in der VW-Stadt wird geschlossen, ist das Einzugsgebiet doch mittlerweile problemlos über die Autobahn zu erreichen.

Investitionen, Einsparungen und die Erträge aus der Vermarktung der Altimmobilien sorgen dafür, dass Kehr wieder wachsen kann. Die bereits in den 1980er Jahren entwickelte, datenbankbasierte Software gilt heute im Verbund von Pharma Privat als Standard.

Als die innerdeutsche Grenze fällt, werden die Brüder bei einigen älteren Apothekern mit Freude empfangen: „Ich war bei Ihrem Großvater Kunde, ich möchte wieder Kunde bei Ihnen sein.“ In anderen Apotheken werden die Unternehmer aus Niedersachsen kritisch gemustert: „Schon wieder so ein Westanzug“, sei er in einer Apotheke in Staßfurt von der Mitarbeiterin bei der Chefin angekündigt worden, erinnert sich Kehr. „Ebenso habe ich mich dann bei der Apothekerin vorgestellt und das Eis war gebrochen!“

Um die Kunden im alten Stammgebiet beliefern zu können, werden in Braunschweig Erweiterungspläne geschmiedet. 1990 wird die Fläche verdoppelt und 2004 nochmal zweigeschossig aufgestockt: Auf drei Etagen lagert Kehr heute seine Medikamente – als einziger Großhändler in Deutschland. „So kurze Wege hat sonst keiner“, sagt Hanns-Heinrich Kehr. Kommissioniert wird zu 70 Prozent automatisch, der Rest via Handscanner. Eingelagert wird automatisch mittels sechs Meter hohen Hochgeschwindigkeitsrobotern in Durchlaufregale.

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