Telemedizin ohne „akademische Sklavenarbeit“

Gemeinsame Videokonferenz: Arzt, Patient und Apotheker Tobias Lau, 21.05.2020 11:42 Uhr

Entscheidend sei dabei aber, nicht aus der technischen Perspektive zu beginnen, sondern dem Weg des Geldes innerhalb des Gesundheitssystems zu folgen. Erst kämen die Use Cases, dann die Frage der GKV-Finanzierung und erst danach die technologischen Finessen, erklärt Roeser sein Vorgehen. Denn entscheidend sei letztlich die Zusammenarbeit mit den Kassen: Ohne eine umfassende GKV-Erstattung wird sich kein Telemedizin-Angebot langfristig halten können – dessen ist man sich auch bei der Konkurrenz bewusst. Er selbst nutze dazu auch seine guten Kontakte in die GKV-Welt – Roeser ist Mitglied im Digitalisierungsbeirat der DAK. „Andere Anbieter denken eher von der Technologie oder den Endverbrauchern aus, wir hingegen von innerhalb des Systems. Wir haben einen enormen Marktzugang und Netzwerkpartner, da kommt nicht mal Doctolib heran.“

Deshalb wisse er auch um die zentrale Rolle der Analytik bei solchen Modellen, die viele Mitbewerber vernachlässigen würden. Sein Credo: Man müsse den Kassen nachvollziehbare und belastbare Daten vorlegen können, welchen konkreten medizinischen Nutzen derlei Online-Angebote haben, um ihnen zu zeigen, dass das Geld, was sie dafür ausgeben, gut angelegt ist. „Wir müssen Ergebnisse messbar machen, um den Kassen zu zeigen, dass das, was sie bezahlt haben, auch zu einem medizinischen Ergebnis führt“, sagt Roeser. „Die Leistung folgt dem Geld, das ist nun einmal der Grundsatz im Gesundheitswesen.“ Hier kommen die Use Cases ins Spiel, bei sogenannten Multikonferenzen beispielsweise. Wie der Name schon sagt, sind das Sprechstunden mit dem Patienten und mehr als einem Leistungserbringer. „Wir machen das heute schon in der Physiotherapie. Patient, Physiotherapeut und Orthopäde besprechen dann gemeinsam das Vorgehen, Übungen und ähnliches.“

Ein noch größeres – und auch für die Kostenträger attraktiveres – Anwendungsfeld könnten die Multikonferenzen allerdings in den Apotheken finden: Die gemeinsame Absprache der Medikation unter Teilnahme von Apotheker, Arzt und Patient. „Endlich reden sie nicht mehr übereinander, sondern miteinander. Endlich integrieren wir diese Bereiche, das ist die wahre Innovation“, sagt Roeser. „In diese Prozesskette wollen wir deshalb sehr viel investieren.“ Dazu fehlt aber noch ein zentraler Baustein: das eRezept. Wie alle anderen Anbieter auch muss die DAAG dazu aber noch auf die Spezifikationen der Gematik warten, die planmäßig Ende Juni veröffentlicht werden sollen. „Wir sind gerade dabei, mit mehreren Playern das eRezept einzubinden. Sobald die Gematik-Spezifikationen da sind, werden wir damit sehr schnell in die Umsetzung gehen.“

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