Cannabis-Engpässe: Wichtigster Lieferant fällt aus

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Erleichternd hinzu kommt der europaweite Aufbau von Kapazitäten, insbesondere in Portugal und Dänemark, und dadurch eine stetig wachsende Diversifizierung der möglichen Lieferanten. Entsprechend gibt man sich auch beim Verband der Cannabis versorgenden Apotheken (VCA) recht entspannt. „Wenn es bei sechs Wochen bleibt, denke ich, dass das gehen sollte, weil wir mittlerweile auf dem Markt auch andere Ware haben. Das wäre vor nicht allzu langer Zeit noch ein größeres Problem gewesen“, sagt die stellvertretende Vorsitzende Astrid Staffeldt.

Es komme dabei jedoch stark darauf an, wie die jeweilige Apotheke bei dem Thema aufgestellt ist: Ihre eigene, die Falken-Apotheke in Hannover, ist schon seit Jahren auf medizinisches Cannabis spezialisiert und hat nicht nur eine entsprechende Lagerhaltung, sondern auch entsprechend viele Bezugsquellen. „Für uns ist das kein Problem, weil wir erst kurz davor eine große Bestellrunde absolviert haben“, sagt sie. Auch wer nicht auf Cannabis spezialisiert ist, aber Patienten betreut, die konstant dieselbe Sorte erhalten, und entsprechend gelagert hat, den dürfte der Engpass ebenfalls weniger betreffen, vermutet Staffeldt: „Ich kann mir aber vorstellen, dass es für Apotheken, die ad hoc etwas bestellen wollen, schwierig wird. Ich würde die jetzige Situation als Stresstest bezeichnen, der eine oder andere wird durchaus Probleme haben.“

Noch größere Probleme könnten hingegen auf manche Großhändler zukommen. Denn seit der Cannabis-Reform im März 2017 haben viele die Versorgung mit Blüten & Co. als Geschäftsfeld entdeckt. Entsprechend ist die Zahl der Großhändler in die Höhe geschnellt, mittlerweile sind rund 41 am Markt, die Zahl der lizensierten ist sogar noch höher. Und nicht wenige von ihnen beziehen größtenteils von Bedrocan – bei gleichbleibender Importmenge. „Ausgehend von einer konstant importierten Menge von 2500 Kilogramm pro Jahr bleiben deshalb bei 41 beziehenden Unternehmen gerade einmal 5 Kilogramm pro Firma“, rechnet Henn vor und prognostiziert eine Pleitewelle bei der Konkurrenz. „Bei einem durchschnittlichen Verkaufspreis von 9 Euro pro Gramm und einem Bezugspreis von 5,60 Euro bedeutet das eine Marge von lediglich 17.000 Euro“, sagt er. „Damit ist es unmöglich, eine positive Wachstums- oder Überlebensprognose abzugeben. Der jetzige Totalausfall kommt damit zu einer denkbar schlechten Zeit. Für viele Unternehmen könnte es durchaus eng werden, erwartet auch Staffeldt: „Großhändler, die ausschließlich von Bedrocan-Ware leben, verdienen sechs Wochen lang überhaupt kein Geld.“

 

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