Arctuvan: Indikation gestrichen, Zukunft ungewiss

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Eine Grundsatzentscheidung trafen die Richter ab doch: Alleine auf die CE-Kennzeichnung dürften sich Hersteller nicht berufen. Die Freigabe durch TÜV & Co. könne den Nachweis der wissenschaftlichen Absicherung der Zweckbestimmung nicht ersetzen. Ähnlich hatte zuletzt das Hanseatische Oberlandesgericht im Dauerstreit um Refigura (Heilpflanzenwohl) entschieden. Auch hier hatte der Hersteller argumentiert, dass die CE-Zertifizierung die Verkehrsfähigkeit abschließend bestätigt sei.

Im Fall Arctuvan Mannose könnte im Hauptsacheverfahren auf der Grundlage eines Sachverständigengutachtens über die generelle Verkehrsfähigkeit erneut verhandelt werden. Im Zusammenhang mit dem Konkurrenzprodukt Femannose (Klosterfrau) hat das LG Köln – ebenfalls auf der Grundlage einer Experteneinschätzung – bereits entschieden, dass Mannose pharmakologisch und nicht physikalisch wirkt. Der Zucker binde spezifisch an Zellstrukturen von Bakterien und greife somit in deren Physiologie und damit in die pathologischen Abläufe von Harnwegsinfektionen ein. Außerdem wirke D-Mannose spezifisch auf Bakterien, die FimH (Adhäsin, das E. coli produziert, Protein aus 279 Aminosäuren) auf der Oberfläche tragen. Alleine diese Spezifität gebe einen Hinweis darauf, dass die Interaktion nicht physikalisch sei.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, Klosterfrau ist in Berufung gegangen. Der Verband Sozialer Wettbewerb (VSW) war gegen den Vertrieb von Femannose vorgegangen. Zuvor hatte der Hersteller bereits die Zusammengesetzung geändert, da die EU-Kommission dem enthaltenen Cranberry-Extrakt eine pharmakologische Wirkung zugesprochen hatte.

 

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