Korruptionsvorwürfe

Spenden und Rezepte: Zyto-Apothekerin vor Gericht Tobias Lau, 13.02.2018 15:09 Uhr

Und sie fühle sich der Charité nicht nur aus beruflicher Sicht verbunden. Von Ende der 1980er- bis in die 2000er-Jahre hinein hat ihr Vater mit dem Krebs gekämpft. Später traf es sie auch selbst mehrmals. Beide wurden in der Charité behandelt, was das Verhältnis noch enger zusammenwachsen lassen habe. Hinzu kamen ab den 90er-Jahren die enger werdenden geschäftlichen Beziehungen zur Onkologie-Ambulanz: 1992 hatte sie ihre erste Apotheke eröffnet, ab 1996 begann sie laut eigener Aussage als eine der ersten Apotheken in Berlin, patientenindividuelle Zytostatika herzustellen, ab 2006 sei dort zusätzlich ein Notfalldepot entstanden.

Durch den engen Kontakt zur onkologischen Ambulanz sei ihr auch aufgefallen, dass es dort an so einigem mangele. „Teilweise konnten nicht mal Rezepte gedruckt werden, weil die Technik defekt war“, so die Angeklagte. Da habe sie Abhilfe schaffen wollen. Es handelte sich deshalb fast ausschließlich um Bürobedarf. Dass ihr Sohn ein Unternehmen führt, das damit handelt, kam dem Vorhaben natürlich zugute. Die Zuwendungen seien aber tatsächlich Spenden gewesen, mit denen sie die Einrichtung unterstützen wollte, mit der sie so viel verbindet. Sie sei davon ausgegangen, dass alles ordnungsgemäß verbucht wurde.

Doch gesetzlich stellt sich der Fall komplexer dar, denn Spenden von tatsächlichen oder juristischen Personen zu erhalten, mit denen man in einer Geschäftsbeziehung steht, sind für eine öffentliche Institution wie die Charité ein rotes Tuch. Auch Drittmittel dürfen keine Verbindungen zu geschäftlichen Interessen haben. Außerdem wird die Frage zu klären sein, ob und warum der Oberarzt die Herkunft der Geräte gegenüber der Klinikleitung nicht transparent gemacht hat.

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