„Wir müssen als Markt Selbstreinigungskräfte entwickeln“

Apothekenqualität statt Ramsch: CBD-Anbieter gründen Lobbyverband

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Stattdessen gelte, was auch in anderen Branchen zutrifft: Regulation wird dann am besten ausgestaltet, wenn die Betroffenen auch ein Wörtchen mitzureden haben. Und Hänsel hat zum Thema CBD-Regulation einiges zu erzählen, er will nämlich nicht nur kritisieren, sondern auch seine eigene Vision einer verantwortungsvollen Marktregulation vermitteln. Pro CBD tritt ein für eine Trennung nach pharmakologischer Wirkung, wie sie in anderen Branchen bereits selbstverständlich ist: Ist sie vorhanden, handelt es sich um ein Arzneimittel, das in die Apotheke gehört, ist sie nicht vorhanden, handelt es sich um ein Lebens- oder Nahrungsergänzungsmittel.

„Baldrian oder Koffein sind da Beispiele für eine gute Regulierung: Kaffee und Cola kann jeder im Supermarkt kaufen, Koffeintabletten gibt es nur in der Apotheke. Beides kann sowohl als Nahrungsmittel oder Nahrungsergänzungsmittel auf den Markt gebracht werden als auch als Arzneimittel“, sagt Hänsel. Es fordert, dass Grenzwerte festgelegt werden, die eine vernünftige Zuordnung ermöglichen. „Meiner Meinung nach kann man mit einer guten Regulierung eine gute Koexistenz von Arznei- und Nahrungsergänzungsmitteln schaffen.“ Darüber hinaus müsse die Qualitätssicherung besser reguliert werden. Man müsse zu einer Situation kommen, in der CBD-Präparate genauso routiniert durch die Behörden kontrolliert werden wie beispielsweise Vitaminpräparate: Es darf gewisse Schwankungen geben, aber die müssen fest definiert sein. „Mit so einer Regulierung würde niemandem wehgetan, weder Ärzten noch Apothekern und erst recht nicht den Anwendern.“

Doch momentan sieht es ganz anders aus, die Debatte im Gesundheitswesen und in der Politik läuft komplett entgegen dieser Vision – siehe die Diskussion um die vorläufige Auffassung der EU-Kommission. „CBD hat keine bewusstseinsverändernde oder betäubende Wirkung, das ist wissenschaftlicher Konsens. Daher ist die Einordnung von CBD als mögliches Betäubungsmittel nicht korrekt“, sagt der 38-Jährige. Von den vielen Cannabinoiden, die die Cannabispflanze enthält, wirke nur eines nach heutigem Stand bewusstseinsverändernd, nämlich THC. Das aber habe mit CBD-Öl-Produkten rein gar nichts zu tun. „Diese Unkenntnis führt hierzulande zu Unsicherheit und damit zu einer Angst, was alles passieren könne, wenn man zu viel freigibt. In den USA oder Großbritannien wird das Thema viel differenzierter betrachtet.“ Gleichzeitig wehrt er sich gegen die pauschale Wahrnehmung, aufgrund der überraschenden Haltung der EU-Kommission stehe eine Einstufung von CBD als Betäubungsmittel kurz bevor: „Die EU hat und hatte nie vor, CBD als Cannabinoid pauschal als Betäubungsmittel einzustufen“, sagt Hänsel.

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