Apobank liefert sich Schlammschlacht mit Dienstleister

, Uhr

Denn zwar sei bei dem „Jahrhundertprojekt“, wie Sommer es nennt, anfangs alles gut angelaufen – doch Anfang 2018 habe Fiducia dann plötzlich mit schlechten Nachrichten aufgewartet: Die Fiducia-Hardware und die Avaloq-Software seien nicht kompatibel, ein Mischbetrieb nicht erwünscht. Doch da sei es schon zu spät gewesen, es habe „kein organisatorisches und betriebswirtschaftliches Zurück“ mehr gegeben. Die Apobank sei deshalb gezwungen gewesen, „einen Big Bang vorzunehmen und Hardware und Software gleichzeitig umzustellen – ein Risiko, das wir gerne vermieden hätten“.

Wurde die Apobank also von der Fiducia-Ankündigung kalt erwischt? Der IT-Dienstleister weist das entschieden zurück: „Die Migration der Apobank auf die neue IT war von Beginn an als kompletter Systemwechsel angelegt. So war es seinerzeit in der Ausschreibung vorgesehen, und ein Mischbetrieb stand für die Fiducia & Gad von vornherein außer Frage“, wehrt sich das Unternehmen. „Darüber war die Apobank seit Beginn des Migrations- beziehungsweise Demigrationsprojektes informiert.“ Ob vorher informiert oder nicht: Die Apobank musste schließlich die Avaloq-Software unmittelbar auf die Hardware des neuen Anbieters DXC installieren. Der wiederum habe in den ersten Wochen keinen reibungslosen Ablauf gewährleisten können – zur Überraschung des Apobank-Chefs. Die ursprünglich für den 1. März geplante Umstellung musste um drei Monate verschoben werden. „Erst Ende Mai standen alle Ampeln auf Grün“, so Sommer.

Dann begann das Debakel. Nach Einführung des neuen Kernsystesm seien viele der Subsysteme nicht mehr gelaufen. Und nicht nur das: Auch das Onlinebanking und die Telefonanlage laufen über das neue System und waren damit ausgeknockt. In der Folge war die Bank auch für ihre Kunden kaum zu erreichen und musste ein externes Callcenter einrichten, das außerhalb des neuen Systems lief. Ein Krisenstab aus Technikern und Betriebsleitern sollte die Situation retten. Und dann schaltete sich auch noch die Bankenaufsicht ein und verlangte regelmäßige Auskunft über die Fehler und die Maßnahmen dagegen.

APOTHEKE ADHOC Debatte

Mehr zum Thema
Vorwurf unlautere Geschäftspraktiken
Wird Aporisk zum Risiko für Apotheken? »
Mehr aus Ressort
Pessina will Apothekenkette verkaufen
Bericht: Walgreens bald ohne Boots »
Weiteres
Kriedel: „Er tritt die Motivationsbremse noch weiter durch“
Ärzte rechnen mit Spahn ab: „Grenze des Machbaren weit überschritten“»
„Versuchskaninchen im Gesundheitswesen“
E-Rezept: Ärzte wollen Einführung mit Petition stoppen»
Einführung trotz winziger Testzahlen
E-Rezept: BMG hält am 1. Januar fest»
Pessina will Apothekenkette verkaufen
Bericht: Walgreens bald ohne Boots»