Verändertes Verschreibungsverhalten

Studie: AWB manipulieren Ärzte Alexandra Negt, 27.06.2020 09:35 Uhr

AWB häufig aber ungern kommuniziert

Die Studienautoren wollten auch herausfinden, ob diese Zusammenarbeit zwischen Hersteller und Arzt eine große Rolle spielt und fragten bei einer nicht näher genannten Kassenärztlichen Vereinigung (KV) nach: Demnach fanden 2019 insgesamt 438 AWB zu 358 Medikamenten statt. 18.500 Ärzte waren daran beteiligt – manche von ihnen nahmen an mehreren Befragungen teil und wurden doppelt gezählt. Verhalten die Reaktion der Pharmafirmen auf Anfrage der SZ: Die meisten Konzerne äußern sich nicht zu dem Thema. MSD Sharp & Dohme und Grünenthal betonen, dass AWB „eine wichtige Rolle“ bei der Arzneimittelforschung spielen und „ausschließlich dem medizinisch-wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn dienen“. Aus älteren Untersuchungen ist bekannt: 2014 nahm jeder zehnte niedergelassene Arzt an einer AWB teil. Damals erhielten rund 17 .000 Mediziner durchschnittlich 669 Euro pro Patient.

Studienautoren sehen Risiko

Für Koch stellt diese Art der Kommunikation zwischen Hersteller und Arzt auch ein Risiko für den Patienten dar, da falsche Anreize geschaffen werden. „Die größte Gefahr sehen wir darin, dass neue und teure Medikamente, mit denen weniger Erfahrungen vorliegen und die möglicherweise noch unbekannte Nebenwirkungen haben, statt älterer, bekannter Medikamente verschrieben werden und damit Patienten schaden könnten“, sagte sie gegenüber der SZ. Auch Koch, der Mitglied der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) ist, sieht die Datenerhebungen kritisch: „Die AWB sind häufig von schlechter Qualität.“ Er geht noch einen Schritt weiter: „Die Anwendungsbeobachtungen gehören jetzt definitiv endlich abgeschafft.“

AWB sind meldepflichtig

AWB werden meistens nach der Zulassung eines Medikamentes durchgeführt und gelten schon länger als potenzielles Einfallstor für Schmiergeldzahlungen. Daher sind die Hersteller beziehungsweise die von ihnen beauftragten Forschungsinstitute verpflichtet, alle AWB nicht nur gegenüber dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), sondern auch dem GKV-Spitzenverband und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) anzuzeigen. Dabei müssen laut Arzneimittelgesetz (AMG) unter anderem Ort, Zeit, Ziel und Beobachtungsplan sowie die teilnehmenden Ärzte und die Art und Höhe der an sie gezahlten Honorare gemeldet werden. Der KBV müssen sogar die die mit den Ärzten geschlossenen Verträge übermittelt werden.

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