„Absurde Rabatte“ und Knebelverträge

Angezeigt von Apothekern: Kartellbehörde ermittelt gegen McKesson Tobias Lau, 19.05.2020 09:55 Uhr

Die Preis- und Lieferbedingungen würden einen Marktzugang also nahezu unmöglich machen, wenn man sich nicht fest an einen Großhändler bindet. Der wiederum nutze seine Preis- und Rabattbedingungen missbräuchlich zur Preissteuerung und insbesondere zur Kontrolle der Vertriebswege. „In der Außenwirkung entsteht dann der Eindruck, es herrsche ein solch harter Kostendruck, Preiskampf oder Wettbewerb beziehungsweise der Eindruck, eine Apotheke ließe sich gar nicht gewinnbringend führen; tatsächlich ist das aber falsch, denn erst die künstliche Verknappung in Verbindung mit Knebelverträgen durch die Beschwerdegegener führt zu dieser Situation.“

Die in der Beschwerde aufgeführten Beispiele sind nicht mehr als Beispiele – die Dunkelziffer an Knebelverträgen, Treuhandschaften und dergleichen liege weitaus höher und könne nur durch Maßnahmen der BWB wie Hausdurchsuchungen festgestellt werden. Die hat tatsächlich bereits Ermittlungen gegen Herba Chemosan aufgenommen, wie eine Sprecherin auf Anfrage bestätigt: „Die Ermittlungen laufen und aus ermittlungstaktischen Gründen können wir uns nicht weiter zu dem Fall äußern.“ Hoffnungen auf Ergebnisse in naher Zukunft macht die Behörde allerdings nicht. Denn im Moment frisst die Coronakrise auch dort die Kapazitäten: Absolute Priorität habe im Moment die Kontrolle der Einhaltung des Wettbewerbsrechts bei der Beschaffung von Schutzausrüstung, so die BWB.

Und Kapazitäten könnten gebraucht werden. Denn die Beschwerde bezieht sich nicht ausschließlich auf die ehemalige Genossenschaft Herba Chemosan, die zwar Geschäftsbeziehungen zu 89 Prozent der österreichischen Apotheken hat, ein solches Modell aber bei einem Marktanteil von 43 Prozent nur schwer allein durchsetzen könnte. Vielmehr werfen die Beschwerdeführer der McKesson-Tochter vor, Teil eines Großhändlerkartells zu sein. Es bestehe der begründete Verdacht, dass sich die sechs größten Unternehmen – neben Herba Chemosan sind das Jacoby GM, Kwizda, Pharmosan, Richter und Phoenix – den Markt untereinander aufteilen, indem sie Preise und Rabatte untereinander absprechen.

Dazu hätten sie mutmaßlich auch ein Forum: die Firma Datacare, eine gemeinsame Tochtergesellschaft jener sechs Unternehmen zur Datenpflege des Großhandels. Die Beschwerdeführer vermuten darin allerdings einen Vorwand, denn „es besteht der begründete Verdacht, dass die beteiligten Unternehmen die Daten der Gesellschaft für ein gemeinsames kartellrechtswidriges Vorgehen dahingehend nutzen, sich mittels Sichtbarkeit der Warenströme, des Absatzes und der Preispolitik den Markt aufzuteilen und auf dieser Ebene kartellrechtswidrige Absprachen treffen“.

Herba Chemosan selbst will sich zu den Vorwürfen gegen das Unternehmen auf Anfrage nicht äußern: „Da wir von der Bundeswettbewerbsbehörde bis jetzt nicht kontaktiert worden sind, kennen wir den Inhalt der Beschwerde nicht und können daher auch nicht Stellung beziehen“, so ein Sprecher.

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