Heilpflanzenporträt

Wermut – Quelle der Bitterkeit

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Berlin -

Bis heute hält Wermut Einzug in okkulte Kreise. Größte Bekanntheit erlangte Wermut wohl Anfang des 19. Jahrhunderts als Bestandteil des Absinths. Das im Kraut enthaltene Thujon sollte zu bewusstseinsverändernden Zuständen führen. Was steckt hinter der Hexerei?

Erste Erwähnungen erhielt die Heilpflanze im fünften Jahrhundert im alten Ägypten: Bereits hier wurde das Kraut zum Aromatisieren von Getränken genutzt. Später glaubte man, es könnte Dämonen fernhalten und dunkle Magie abwehren. Sogar als Abtreibungsmittel fand Wermut Verwendung. So abstrus die Einsatzgebiete der Vergangenheit klingen, Wermutkraut findet man noch heute in vielen Teerezepturen aufgrund der positiven Eigenschaften bei Verdauungsproblemen.

Wermutkraut enthält eine hohe Konzentration an Bitterstoffen, die verdauungsfördernde Eigenschaften haben. Sie regen durch die verbesserte Durchblutung des Verdauungstraktes den Appetit an. Ebenso können Blähungen gemildert werden und die Leberfunktion angeregt werden. Auch Verstopfungen wird entgegengewirkt. Bei Appetitlosigkeit empfiehlt es sich dreimal täglich eine frisch zubereitete Tasse Wermutkraut-Tee circa eine halbe Stunde vor dem Essen zu trinken. Dazu übergießt man circa 1 g der Droge mit 150 ml siedendem Wasser und lässt den Tee etwa 10 bis 15 Minuten ziehen. Bei Blähungen sollte der Tee nach der Mahlzeit getrunken werden. Die maximale Menge an verwendeter Teedroge pro Tag beträgt drei Gramm.

Bei Gastritis oder anderen dyspetischen Beschwerden kann der Patient auf fertige wässrige Auszüge oder Tinkturen zurückgreifen. Die Firma Schoenenberger vertreibt einen naturreinen Wermutkraut-Presssaft. Dieser ist zur Anwendung bei gastrointestinalen Beschwerden, insbesondere Appetitlosigkeit, ab dem 18. Lebensjahr indiziert. Es werden mit Hilfe des Dosierbechers zweimal täglich je 5 ml Saft 30 Minuten vor, oder direkt nach den Mahlzeiten eingenommen. Die maximale Einnahmedauer ist auf vier Wochen beschränkt.

Der Wermuttrank ist ein traditionelles Heilmittel der Klosterheilkunde von Hildegard von Bingen. Als Maikur oder Maitrunk bekannt empfahl die Benediktinerin die Einnahme ab dem Monat Mai, um den Körper bei der Umstellung auf den „Sommerbetrieb“ zu unterstützen. Die entgiftende Wirkung sollte die gesamte Abwehrkraft des Körpers stärken. Die Einnahme von circa 62 ml (historisch: 1/16 Liter) sollte nur jeden dritten Tag stattfinden, um eine Überdosierung zu vermeiden. So werden für die traditionelle Kur von Mai bis Oktober insgesamt vier Liter benötigt.

Die Pflanze enthält verschiedene ätherische Öle, darunter das Nervengift Thujon. Während der Hochphase des Absinth-Konsums im 19. Jahrhundert konnten vermehrt Symptome wie Schwindel, Halluzinationen und Wahnvorstellungen verzeichnet werden. Das ätherische Öl war der Grund für ein zeitweiliges Ausschankverbot. Daraus resultierend wurde der Thujon-Gehalt in der Europäischen Union begrenzt. Heute führt der Verzehr von Absinth lediglich noch zu alkoholtypischen Ausprägungen.

Wermutkraut (Artemisia absinthium) ist eine Pflanze aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Es handelt sich um eine krautige Pflanze mit Wuchshöhen von bis zu 150 Zentimetern. Das Kraut ist gräulich-grün und duftet stark aromatisch. Tiefer sitzende Blätter weisen bis zu 10 Zentimeter lange Blattstiele auf. Die oberen Blätter sind weitaus kürzer. Die Blattoberseite ist dicht behaart. Die Blüten sind gelb und sitzen in kurz gestielten, hängenden Köpfchen. Die Früchte sind eiförmige, etwa einen halben Millimeter lange einsamige Schließfrüchte (Achänen). Wermut wird auch der bittere Beifuß genannt. Allein durch organoleptische Prüfung hätte das Kraut während des Drogenkundeunterrichts von jeder PTA stets eindeutig identifiziert werden können. Wer also seinem Kunden in der Apotheke die Einnahme als Tee empfiehlt, sollte auf den Geschmack hinweisen.

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