Nicht nur Husten und Fieber

Covid-19: Durchfall als Symptom Alexandra Negt, 31.03.2020 15:04 Uhr

  • Zu den eindeutigen Symptomen einer Covid-19 Erkrankung gehört Durchfall nicht. Immer mehr Analysen zeigen, dass Betroffene insbesondere im Anfangsstadium unter gastrointestinalen Beschwerden leiden. Foto: Science Photo Library
Berlin -

Husten und Fieber sind die häufigsten Symptome, die Betroffene die an Covid-19 leiden zeigen. Im weiteren Verlauf der Erkrankung kommt es mitunter auch zu Kurzatmigkeit. Neben anderen grippe- und erkältungsähnlichen Symptomen wie Halsschmerzen, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Niesen, leiden einige Patienten während der Infektion auch unter Durchfall. Aktuellen Schätzungen zu Folge leiden fünf Prozent aller Erkrankten unter starker Diarrhoe.

In einer amerikanischen Studie wurde gezeigt, dass knapp die Hälfte aller Corona-Infizierten unter Bauchschmerzen litt. Diese äußerten sich neben Durchfall auch in Übelkeit oder Erbrechen. Erste Erkenntnisse lassen vermuten, dass es im frühen Verlauf einer Sars-CoV-2 Infektion eher zu Magen-Darm-Problemen kommt, als zu Atemproblemen. US-amerikanische Gastroenterologen werteten hierfür Daten von 204 Erkrankten aus der chinesischen Provinz Hubei aus – 48,5 Prozent litten insbesondere zu Beginn der Infektion unter Verdauungsbeschwerden.

Die Wissenschaftler verweisen darauf, dass Patienten, die neu auftretendes Fieber und Durchfall haben, aber noch keine Atemwegserkrankungen, durchaus getestet werden sollten. Dies gelte insbesondere, wenn Kontakt zu einem möglicherweise infizierten Menschen bestand. Die Studie zeigte, dass mehr Patienten ohne Verdauungssymptome geheilt aus dem Krankenhaus entlassen werden konnten, als Patienten mit Verdauungssymptomen (60 Prozent gegenüber 34,3 Prozent).

Krankheitsverlauf

Sars-CoV-2-Viren vermehren sich hauptsächlich im Rachen, in vielen Fällen bleiben sie lokal im Hals und können vom Immunsystem bekämpft werden. In diesen Verläufen zeigen die Patienten kaum Symptome und überstehen die Infektion wie eine leichte Erkältung. Breitet sich der Erreger aber aus und gelangt in die unteren Atemwege, so kommt es zu einem deutlich schwereren Verlauf. Es kann eine atypische Lungenentzündung entstehen. Das Lungengewebe kann Anschwellen und es kommt zu Flüssigkeitsansammlungen. Da die Abwehrzellen des Immunsystems die Viren zum Abtransport aufnehmen gelangen sie in das Gewebe zwischen den Lungenbläschen. Die Folge: Erkrankte klagen über Atemprobleme, tiefes Ein- und vollständiges wieder Ausatmen wird unmöglich. Unter Umständen muss eine künstliche Beatmung eingeleitet werden.

Aufgrund der hyperaktiven Immunreaktion könnte es auch an anderen Stellen im Körper zu Problemen kommen. Daher wird auch der Einfluss auf weitere Organe wie Darm, Leber oder Nieren derzeit erforscht. Chinesische Forscher haben das Virus auch in Stuhlproben und Rektalabstrichen gefunden, nachdem sie festgestellt hatten, dass einige Patienten allein Durchfall statt üblicherweise Fieber bekommen haben.

Behandlung von Durchfall

Eine Grundregel bei der Behandlung von Durchfall ist: Wird das Leiden von Fieber begleitet, so soll die Darmperistaltik nicht vollständig gestoppt werden. Wirkstoffe wie Loperamid sind bei keimbedingten Diarrhoen kontraindiziert. Die Aufhebung der Darmbewegung führt dazu, dass Bakterien und Viren länger im Darm verbleiben. Um dennoch etwas gegen die Beschwerden tun zu können, können Betroffene zu anderen Arzneistoffen greifen. Bei bakteriell bedingten Durchfällen eignet sich die Einnahme von medizinischer Kohle. Diese ist in der Lage die Bakterien zu binden. Um die Darmwand „abzudichten“ und einen übermäßigen Wassereinstrom ins Lumen zu verhindern können Präparate gewählt werden, die adstringierend wirken. Mittel mit Tanninalbuminat und Ethacridinlactat können den Wassereinstrom stoppen, ohne die Peristaltik zu lähmen. Inwiefern Medikamente bei Sars-CoV-2 induziertem Durchfall indiziert sind, ist noch nicht abschließend geklärt.

Eine unkomplizierte Durchfallerkrankung dauert in der Regel zwischen zwei und fünf Tage an und ist eine kurzfristige Erkrankung, die von selbst wieder verschwindet. Gehen die Beschwerden mit hohem Fieber, starken Schmerzen oder Blut und Schleim im Stuhl einher oder dauern sie länger als fünf Tage an, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Bei starken Beschwerden sollte Bettruhe eingehalten werden.

Virale Sepsis als Multiorganversagen

Treten Sars-CoV-2 Viren aus dem entzündeten Gewebe aus, so gelangen sie in die Blutbahn. Über die Gefäße werden die Viren im ganzen Körper verteilt – auch im Magen-Darm-Trakt. Die Produktion hoher Mengen an Abwehrstoffen lässt den Organismus nach und nach aus dem Gleichgewicht kommen. Die Durchblutung steigt, die Blutgerinnung setzt aus. Im weiteren Verlauf sinkt der Blutdruck ab, Blutgerinsel können entstehen und das Herz muss immer mehr Pumpleistung zur Aufrechterhaltung des Blutdrucks erbringen. Am Ende steht der septische Schock – wird dieses Krankheitsbild zu spät behandelt, endet die Erkrankung oft tödlich.