Wenn die Haut sich hormonell verändert

Schwangerschaftsexanthem – besondere Hautveränderung APOTHEKE ADHOC, 29.04.2020 13:54 Uhr

Berlin - Das Schwangerschaftsexanthem – kurz auch PUPP-Syndrom (Pruriginöse und urtikarielle Papeln und Plaques) oder PEP (Polymorphes Exanthem der Schwangerschaft) genannt – ist eine Hauterkrankung, die meist in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft auftritt und durch starken Juckreiz gekennzeichnet ist. Die Beschwerden sind individuell, der Juckreiz nimmt nach der Geburt wieder ab. Der Entstehungsgrund ist bislang nicht geklärt. Frauen, die bei der ersten Schwangerschaft einen generalisierten Juckreiz aufweisen, leiden zumeist auch bei Folgeschwangerschaften unter PUPP/PEP.

Viele Frauen entwickeln in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft einen stark juckenden Hautausschlag. Das Schwangerschaftsexanthem tritt meistens im Bereich des Bauches und des Unterleibes auf. Der Ausschlag äußert sich durch Juckreiz (Pruritus), Bläschen- und Quaddelbildung. Für viele Schwangere ist der Ausschlag zwar unangenehm, er stellt aber keine gesundheitliche Gefahr für Mutter und Kind dar. Die Ursachen für die Entstehung sind unklar, so plötzlich wie die Hautveränderung auftritt, so schnell bildet sie sich nach der Geburt auch wieder zurück.

Ursachen von Juckreiz

Juckreiz bei Schwangeren kann unterschiedliche Ursachen haben. So kann es sich um vorbestehende oder neu erworbene Hauterkrankungen, oder um unerwünschte Arzneimittelwirkungen handeln. Juckreiz kann auch als Begleiterscheinung von zahlreichen Systemerkrankungen auftreten. So leiden Menschen mit Lebererkrankungen, Diabetes mellitus oder Morbus Hodgkin häufig unter Juckreiz am ganzen Körper, oder an einzelnen Körperstellen. Darüber hinaus gibt es aber auch spezifische Schwangerschaftsdermatosen wie das PUPP/PEP-Syndrom. Pruritus gilt als eines der dermatologischen Hauptsymptome während einer Schwangerschaft – knapp jede fünfte Frau leidet in den neun Monaten unter Juckreiz. Die Ursachen können unterschiedlichster Art sein. Auch hormonelle Veränderungen können das Hautbild beeinflussen und zu Beschwerden führen. Wenn neu entstandener Juckreiz und Hautveränderungen in der Schwangerschaft auftreten, sollten diese deshalb in jeden Fall hautärztlich oder gynäkologisch abgeklärt und nicht eigenmächtig mit Pflegeprodukten oder Arzneimitteln behandelt werden.

Medikamentöse Behandlung

Die Behandlung ist aufgrund der Schwangerschaft eingeschränkt. Es können lokal anzuwendende Schüttelmixturen verordnet werden. Das enthaltene Zink wirkt desinfizierend und trocknet eventuell bestehende offene Stellen aus. Zur Juckreizlinderung können Substanzen wie Polidocanol hinzugefügt werden. Standardisierte Herstellanweisungen für Polidocanol-Zinkoxid-Schüttelmixturen sind, in unterschiedlichen Dosierungen, im NRF verfügbar. Für einen kurzen Anwendungszeitraum können auch schwach wirksame Steroide verordnet werden. Zu den schwachen Glucocorticoiden gehört beispielsweise Hydrocortison. Die systemische Gabe von Glucocorticoiden ist zu vermeiden. Auch eine UV-Therapie kann nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung in Betracht gezogen werden.

Insbesondere bei starkem Pruritus stellt die Gabe von oralen Antihistaminika eine mögliche Therapieoption dar. H1-Antihistaminika mit sedierender Wirkung werden den neueren Wirkstoffen, aufgrund von längerer Anwendungserfahrung, vorgezogen. Im ersten Trimenon gelten Antihistaminika der ersten Generation als relativ sicher, im zweiten und dritten Trimenon sogar als sicher.

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