Von Milchbildung bis Abstillen

Milchfluss: Grundlage für die Stillzeit APOTHEKE ADHOC, 17.11.2020 14:21 Uhr

  • Bereits in der zweiten Schwangerschaftshälfte ist der Körper soweit entwickelt, dass sich erste Milch, die sogenannte „Vormilch“, bildet. Foto: shutterstock.com/Nina Buday
Berlin -

Stillen ist die natürlichste Ernährungsform für das Kind. Voraussetzung für eine stressfreie und reibungslose Stillzeit ist jedoch der Milchfluss. Bereits in einem frühen Schwangerschaftsstadium bereitet der Körper die Brüste auf die bevorstehende Zeit vor. Dem Vorgang liegt ein komplexes Zusammenspiel aus Hormonen zugrunde.

Neben morgendlicher Übelkeit und anderen Symptomen der Frühschwangerschaft spielt auch die Veränderung der Brüste eine große Rolle: Es kann zu Spannungsgefühlen kommen, die Brust wird insgesamt empfindlicher. Grund dafür ist ein vermehrtes Wachstum der Brust und der enthaltenen Drüsen. Dieses kommt durch einen Anstieg der Hormone Östrogen, Progesteron, Prolaktin und Insulin zustande.

Der Körper bereitet sich vor

Während der Schwangerschaft wird die Brust auf die bevorstehende Stillzeit bereits maßgeblich vorbereitet: Die Drüsen in der Brust differenzieren sich, die Milchgänge und Milchsäckchen bereiten sich auf die Milchabgabe vor. Mediziner sprechen auch von der „Galaktogenese“. Bereits in der zweiten Schwangerschaftshälfte ist der Körper so weit entwickelt, dass sich erste Milch, die sogenannte „Vormilch“, bildet. Hintergrund ist, dass bereits bei einer Frühgeburt gestillt werden kann.

Am Milchfluss selbst sind ebenfalls verschiedene Hormone beteiligt. Vor allem das Prolaktin steigt massiv an: Es sorgt nicht nur für die Milchproduktion, sondern weckt auch den mütterlichen Beschützerinstinkt. Nach der Geburt flachen Östrogen- und Progesteronspiegel ab, Prolaktin wirkt dadurch noch intensiver. Auch das Hormon Oxytocin wird durch direkten Haut-zu-Haut-Kontakt ausgeschüttet: Es zieht die Milchgänge zusammen und erleichtert somit den Milchfluss. Außerdem gilt es als „Kuschelhormon“ und fördert die Bindung zwischen Mutter und Kind. Nach der Entbindung dauert es etwa zwei bis drei Tage, bis der Körper die Milchbildung etabliert hat. Sie wird vor allem durch den Saugreiz des Kindes und der damit verbundenen Hormonausschüttung nach der Geburt in Gang gesetzt und aufrechterhalten.

Auch das ungeborene Kind wird bereits im Mutterleib auf die Nahrungsaufnahme vorbereitet: In der ersten Schwangerschaftshälfte entwickelt es einen Such- und Saugreflex, sowie die Fähigkeit zu schlucken. Daher beginnt es wenige Stunden nach der Geburt die Brustwarze der Mutter zu suchen. Den Weg findet es von ganz alleine, danach beginnt es selbstständig zu saugen.

Stillen: Ein komplexes Gleichgewicht

Beim Trinkvorgang umfasst das Kind mit dem Mund die Brustwarze und den Warzenhof. Dabei entsteht ein Unterdruck, der mit Wellenbewegungen die Milch aus den Milchgängen in den Mund des Kindes befördert. Dadurch wird automatisch ein Schluckreflex ausgelöst. Durch das Saugen wird bei der Mutter wiederum ein Nervenimpuls in Gang gesetzt, der die Ausschüttung der milchbildenden Hormone anregt. Stillen ist also ein komplexer, aber völlig natürlicher Prozess. Wird das Kind nur wenig oder gar nicht gestillt, erhält der Körper der Mutter keine entsprechenden Signale. Daher wird die Milchproduktion reduziert. Es gilt also ein harmonisches Gleichgewicht zu finden.

Muttermilch gilt nach wie vor als ideale Nahrung für den Säugling. Sie enthält mehr als 200 Bestandteile. Die Vormilch, auch „Kolostrum“ genannt, wird etwa zwölf Wochen vor der Geburt und an den ersten Tagen nach der Geburt gebildet: Sie ist gelblich und dickflüssig und enthält besonders viele Eiweiße und Vitamine. Dadurch ist sie leicht verdaulich und sogar etwas abführend, was zur Ausscheidung des sogenannten „Kindspechs“ beiträgt. Die Eiweiße enthalten Antikörper, Leukozyten und Makrophagen und bauen somit das Immunsystem auf. In den darauffolgenden ein bis zwei Wochen wird die Übergangsmilch produziert: Sie enthält vermehrt Kohlenhydrate und Fette, der Eiweißgehalt nimmt dafür zusehends ab. Erst danach stellt der Körper auf die „reife Milch“ um, welche für den Rest der Stillzeit produziert wird.

Das Stillen stellt einen wesentlichen Baustein der kindlichen Ernährung dar. Von der Nationalen Stillkommission wird ausschließliches Stillen während der ersten sechs Monate empfohlen – aber auch teilweises oder kürzeres Stillen ist aus heutiger Sicht besser als gar nicht zu stillen. Ab einem Alter von fünf Monaten kann mit der Fütterung von Beikost begonnen werden.

Eine ausreichende Versorgung mit Folsäure über die Stillzeit hinaus sollte stets bedacht werden: Von der Mutter eingenommene Folsäure wird über die Muttermilch vom Kind aufgenommen und unterstützt so weiterhin die Bildung neuer Zellen und damit das gesunde Wachstum des Babys. Hierbei eignet sich beispielsweise Folio, welches ab der 13. Schwangerschaftswoche durchgehend bis zum Ende der Stillzeit von Müttern eingenommen werden sollte.

Langsames Abstillen für Mutter und Kind

Das Abstillen sollte keinesfalls abrupt erfolgen, da ein plötzliches Ende sowohl für das Kind, wie auch für die Mutter, Folgen haben kann. Eine langsame Verringerung der Stillmahlzeiten hat einen allergieschützenden Effekt für den Nachwuchs. Wenn zu rasch abgestillt wird, kann es bei der Mutter zu psychischen Beschwerden, Milchstau und schmerzhaften Brustentzündungen kommen, wenn zu rasch abgestillt wird.

Kühle Auflagen oder Quarkwickel können dabei Linderung bringen. Verschiedene Tees wie Pfefferminze oder Salbei sollen ebenfalls die Milchproduktion dämpfen. Aufgrund des verringerten Bedarfs geht normalerweise auch die Milchproduktion zurück, sodass keine Hilfe von außen notwendig ist und der Körper selbst ins Gleichgewicht zurückfindet. Meist wird die Stillzeit so gegen Ende des ersten Lebensjahres von alleine beendet.