Verfassungsgericht prüft OTC-Freigabe

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Jene Studie aus dem Jahr 2018 hatte bereits bei ihrer Veröffentlichung Stürme der Entrüstung unter Apothekenvertretern hervorgerufen. „Unprofessionell“, „irreführend“, „spielt mit der Gesundheit, im schlimmsten Falle sogar mit dem Leben von Patienten“, waren nur einige der Zuschreibungen von Kammer- und Verbandsfunktionären. Tatsächlich war die BWB damals zu dem Ergebnis gelangt, dass eine Liberalisierung der Abgabe von OTC-Arzneimitteln zu empfehlen sei, da der gesetzliche Vorbehalt zu einem Monopol der öffentlichen Apotheken in diesem Markt führe. Eine Erweiterung des Sortiments an OTC-Arzneimitteln, die auch von anderen Stellen wie Drogerien abgegeben werden dürfen, würde demnach zu einer besseren Versorgung sowie über den Preiswettbewerb zwischen Apotheken und sonstigen Abgabestellen zu mehr Preistransparenz und sinkenden Preisen führen.

Entsprechend besorgt zeigt sich der Österreichische Apothekerverband. „Sollte die Entscheidung des Verfassungsgerichtshofes in diese Richtung gehen, werden wir natürlich alle Hebel in Bewegung setzen, damit bei der entsprechenden gesetzlichen Neuregelung der Fokus auf die Patienten- und Arzneimittelsicherheit gerichtet wird“, erklärt dessen Präsident Jürgen Rehak auf Anfrage. Denn eine Liberalisierung des Arzneimittelmarktes „sollte nicht nur uns Apothekerinnen und Apotheker beschäftigen“.

Vielmehr sei die Abgabe von Medikamenten nämlich aus gutem Grund reguliert: „Sie sind eben kein Haarshampoo oder Waschmittel“, so Rehak. Es seien Expert:innen notwendig, um bei der Abgabe die Neben- und Wechselwirkungen auch nicht verschreibungspflichtiger Arzneimittel bei eingehender Beratung zu beurteilen. „Geschieht das nicht, setzen wir die Bevölkerung gesundheitlichen Risiken aus“, so Rehak. „Dass die wirtschaftliche Lage der Apotheken dabei massiv in Mitleidenschaft gezogen werden würde, versteht sich von selbst. Und dass das zu Lasten der Versorgung der Bevölkerung geht ebenso, schließlich könnten wir unsere umfassenden Leistungen nicht mehr im bisherigen Umfang aufrechterhalten.“ Wann mit einer Entscheidung zu rechnen ist, wisse auch der Verband noch nicht, erklärt ein Sprecher. Auch die Standesvertretung müsse nun die kommenden Tage und Wochen gespannt abwarten.

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