Kompetenzerweiterungen

Kanada: Apotheker dürfen impfen und verschreiben APOTHEKE ADHOC, 18.06.2019 11:29 Uhr

Dafür durften Apotheker in der Nachbarprovinz Ontario bisher keine Rezepte ausstellen. Das soll sich nun ebenfalls ändern. Ontarios Premierminister Doug Ford hat am Donnerstag verkündet, dass Pharmazeuten künftig bei einfachen Bagatellkrankheiten wie Erkältungen, Halsschmerzen, Bindehautentzündungen oder Harnwegsinfektionen selbst Arzneimittel verschreiben dürfen. Es handele sich um eine „einfache Veränderung, die den Patienten Zeit und Geld sparen“ werde, zitieren kanadische Medien Ford. Der Apothekerverband der Provinz, die Ontario Pharmacists Association, begrüßt die Reform, die sie selbst zehn Jahre lang gefordert hat, ebenfalls als Verbesserung für die Patienten. Die Gesundheitsministerin von Ontario, Christine Elliott, kündigte an, nun gemeinsam mit dem Apothekerverband eine Liste von Indikationen zu erarbeiten, die Apotheker diagnostizieren dürfen.

Dabei werde man sich an anderen Provinzen des Landes orientieren, die derartige Regelungen bereits haben. So gibt es in der Provinz New Brunswick eine Liste von 32 Indikationen, bei denen Apotheker Diagnosen stellen und Medikamente verschreiben dürfen. Bevor sie diesen Dienst anbieten dürfen, müssen die Apotheker eine Fortbildung absolvieren und sich zertifizieren lassen. Die Erfahrungen seit der Kompetenzerweiterung seien durchweg positiv, zitiert der Nachrichtensender CTV News Paul Blanchard, Präsident der New Brunswick Pharmacists Association. Seit der Gesetzesänderung 2008 habe es „keinerlei Probleme“ deshalb gegeben. Bei komplexeren Krankheitsbildern würden Apotheker stets an Ärzte verweisen.

Die kanadischen Provinzen folgen mit den Kompetenzerweiterungen einem internationalen Trend. In mehreren Ländern wurde Apothekern in den vergangenen Jahren das Recht eingeräumt, Patienten zu impfen, Folgeverordnungen auszustellen oder bei bestimmten Krankheiten gleich selbst zu verordnen. Zuletzt hatte in diesem Jahr die französische Regierung Apothekern das Impfrecht erteilt. In England können Apotheker seit 2015 impfen, in Irland bereits seit 2011. Vergangenes Jahr veröffentlichte der europäische Apothekerverband PGEU ein Weißbuch, in dem er die Rahmenbedingungen für das Impfen in Apotheken in verschiedenen europäischen Ländern vergleicht und Handlungsempfehlungen für eine Einführung des Impfrechts für Apotheker in verschiedenen europäischen Ländern gibt.

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