Österreich

Kammerpräsidentin will Fortbildungspflicht APOTHEKE ADHOC, 04.01.2018 13:22 Uhr

Berlin - 

Österreichische Apotheker könnten schon bald dazu verpflichtet werden, sich fortzubilden. Das hat die Präsidentin der Österreichischen Apothekerkammer (ÖAK), Ulrike Mursch-Edlmayr, gefordert. Als weiteres wichtiges Vorhaben nannte sie im Interview mit der Austria Presse Agentur (APA) eine Reform des Apothekerhonorars.

Rund 400.000 Menschen suchen täglich mehr als 1350 öffentliche Apotheken im Alpenland auf. Dabei erwarten sie eine gute fachliche Beratung und eine reibungslose Arzneimittelversorgung. Dem will die ÖAK durch eine Fortbildungspflicht für die Apotheker nun Rechnung tragen.

Pläne für eine pharmazeutische Pflichtfortbildung gibt es nach Angaben von Mursch-Edlmayr bereits seit 2012. Nun sei es an der Zeit, diese umzusetzen. Dabei will man sich offenbar am verpflichtenden Fortbildungsnachweis der Ärzte orientieren. Die Kammerpräsidentin ist überzeugt, dass es nun gelingen könnte, das Vorhaben tatsächlich zu realisieren: „Ich denke, wir haben damit überhaupt kein Problem. Bei unserer letzten zentralen Fortbildungsveranstaltung in Wien waren allein schon zwischen 800 und 900 Apotheker.” Insgesamt gibt es in Österreich knapp weniger als 6000 selbstständige und angestellte Apotheker.

Für die Zukunft sieht Mursch-Edlmayr die Spezialisierung und vermehrten Service für die Kunden als Schlüssel für die Zukunft ihres Berufsstandes. Denn nicht nur in Deutschland, sondern auch im Alpenland ist die Lage der Branche angespannt. Es gebe viel Verunsicherung, so die Kammerpräsidentin. Während es zahlreiche, zum Teil gesetzlich vorgeschriebene Dienstleistungs- und Serviceangebote gebe, sehe es bei der Finanzierung schlecht aus.

Nach Auffassung von Mursch-Edlmayr kann ein solches Leistungsangebot mit dem Umsatz aus den Arzneimitteln nicht mehr finanziert werden. Mit einem einfachen Rechenbeispiel veranschaulicht die Kammerpräsidentin das ganze Dilemma: So soll der Personalkostenanteil bei 16 Prozent liegen. Die Marge betrage dabei aber rund 14 Prozent. „Das geht sich nicht aus“, betont sie.

Die Apotheker seien außerdem der einzige Berufstand im österreichischen Gesundheitswesen, der in den vergangenen zehn Jahren nicht mehr verdient habe, sondern weniger. Laut den Angaben der ÖAK ist beispielsweise die durchschnittliche Krankenkassenspanne auf Medikamente innerhalb eines Jahrzehnts von 19,48 Prozent auf 15,43 Prozent im Jahr 2016 gesunken.

Laut Mursch-Edlmayr hat angesichts der schwierigen Lage ein Drittel der österreichischen Apotheken etwa mit einer Spezialisierung bereits neue Wege beschritten. Einem weiteren Drittel gelänge es „mit perfektem Management“ weiterhin, „traditionell“ durch die Arzneimittelversorgung erfolgreich zu sein. Der Rest aber blicke nicht besonders optimistisch in die Zukunft.

Österreichs Kammerpräsidentin forderte daher eine Honorarreform für ihre Branche. „Wir brauchen da modifizierte Konzepte“, sagte sie. Das reine „Spannensystem“, also einen packunsgbezogenen Aufschlag, lehnte sie ab. Von der Politik wünsche sie sich, dass die Apothekerschaft in alle Entwicklungen und strategischen Entscheidungen von Beginn an einbezogen wird. Denn auf Augenhöhe könne man wichtige Entscheidungen besser treffen. Dennoch zeigte sich Mursch-Edlmayr durchaus zufrieden mit dem aktuellen Regierungsprogramm, in dem Apotheker erstmalig und mehrfach erwähnt seien.

So sollen die Apotheker etwa stärker in die Primärversorgung eingebunden werden. Eine größere Rolle soll ihnen auch bei der angestrebten Stärkung der integrierten Versorgung bei chronischen Krankheiten durch den Ausbau von Disease-Management-Programmen (DMP) zukommen. „Unter Einbeziehung aller Gesundheitsberufe wie Apotheker, Lotsenfunktion der niedergelassenen Ärzte und Angehörige von Gesundheitsberufen wie Apotheker“, heißt es in dem Regierungsprogramm.

Des Weiteren könnte die Expertise der Apotheker in der Kinder- und Jugendmedizin hilfreich sein. Dort sollen die Risiken der Polypharmazie stärker in den Fokus gerückt werden. Außerdem soll die klinische Pharmazie in Krankenhäusern und Primärversorgungseinheiten etabliert werden. Das Ziel ist dabei, Wechselwirkungen und Nebenwirkungen zu vermeiden und den Arzneimitteleinsatz zu optimieren.