Brexit: Regierung will Medikamente bunkern

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Damit es erst gar nicht so weit kommt, dass diese Frage geklärt werden muss, strebt die britische Regierung an, Mitglied der europäischen Arzneimittelagentur EMA zu bleiben. Die Idee, gegen Zahlung weiter Teil von wichtigen EU-Behörden zu bleiben, steht im Weißbuch, das Premierministerin Theresa May vergangene Woche gegen harte Widerstände durchs Parlament gepeitscht hatte. Bei der EMA selbst scheint man dennoch mit Bange auf den kommenden März zu schauen. Die Behörde ist „ernsthaft besorgt“, dass mit dem Austritt Großbritanniens aus der EU mehr als 100 Medikamente ihre Zulassung verlieren könnten und appelliert deshalb an die Hersteller, endlich zu handeln. 694 zentral zugelassene Produkte gebe es, bei denen mindestens ein unverzichtbarer Bestandteil im Vereinigten Königreich zu verorten ist.

Dabei handelt es sich größtenteils um Produkte von Herstellern mit Hauptsitz in Großbritannien oder solchen, die beispielsweise Produktionsstätten oder Qualitätskontrollen auf der Insel haben. Werden deren Zulassungen oder zu benennende Funktionen nicht fristgerecht übertragen, erlischt ihre Gültigkeit mit dem Austritt Großbritanniens aus dem europäischen Binnenmarkt. Deshalb will die Behörde die Ummeldungsprozesse nun genau überwachen.

Auch MHRA-Präsident Rawlins würde Großbritannien gern weiter in der EMA sehen. „Das ideale Szenario wäre das, was man eine assoziierte Mitgliedschaft in der EMA nennt“, sagte er dem Pharmaceutical Journal. Dabei hätte Großbritannien kein Stimmrecht, könnte aber seine Anliegen vortragen, wissenschaftliche Erkenntnisse einbringen und wäre bei allen wichtigen Sitzungen vertreten. „Wir könnten nicht abstimmen, aber meine Kollegen sagen mir, dass das nicht wichtig ist – denn es geht darum, dass wir unsere Ansichten wiedergeben können, denen genau zugehört wird, und wir dann am Ende die Entscheidungen der EMA akzeptieren, egal wie diese aussehen.“

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