Apotheker inszeniert Überfall auf sich selbst

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Der Apotheker hatte kalte Füße bekommen, weil er tausende Fentanylpflaster auch ohne Rezept abgegeben hatte, unter der Theke gegen Cash. Er hatte Angst, dass die Fehlbestände früher oder später auffallen würden. Deshalb suchte er die Flucht nach vorn: Ein Überfall würde erklären, wo die vielen Betäubungsmittel abgeblieben waren. Doch der Plan ging schief, die zuvor belieferten gefälschten Rezepte brachten die Ermittler auf die richtige Fährte. Ein Gericht verurteilte Shaheen für die illegale Abgabe von mindestens 5000 Einheiten Fentanyl mit einem Straßenverkaufswert von rund 1 Million Kanadischer Dollar (660.000 Euro) zu 14 Jahren Haft, wie kanadische Medien berichten. Seine Approbation wurde ihm aberkannt, die Betriebserlaubnis auf Lebenszeit entzogen.

„Als ausgebildeter Fachmann wusste er Bescheid über die verheerenden und tödlichen Folgen dieser Medikamente in den Händen von Abhängigen. Und dennoch hat er sich auf diese Form des Drogenhandels eingelassen und über eine Million Dollar am Elend anderer verdient“, zitiert die Tageszeitung „Toronto Star“ Shaheens Richter.

Doch der Fall wirft auch nach dem Urteil weitere Fragen auf. Wie konnte es sein, dass die Behörden nicht früher merkten, was in Shaheens Offizin vor sich ging? Die Aufsichtsbehörden der Provinz Ontario überwachen die Auslieferung und Abgabe von Opioiden, nicht zuletzt aufgrund der weiterhin zunehmenden Suchtproblematik. Die Zahl der Todesfälle durch Opioid-Überdosen ist Zahlen der Regierungsbehörde Public Health Ontario drastisch gestiegen: von 693 im Jahr 2013 auf 1267 im Jahr 2017. Dabei habe es sich in rund 70 Prozent der Fälle um den missbräuchlichen Konsum von Fentanyl gehandelt. Dennoch sind kanadische Großhändler bisher nicht verpflichtet, ungewöhnlich große Bestellungen von Opioid-haltigen Schmerzmitteln durch einzelne Abnehmer zu melden.

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