Stärkung der Hautbarriere

Ectoin: Wasserspeicherwunder aus Bakterien Cynthia Möthrath, 09.11.2020 17:04 Uhr

  • Gewinnung durch „Bakterien-Melkung“: Ectoin wird mittlerweile in vielen Pflegeprodukten für allergische oder sensible Haut verwendet. Foto: shutterstock.com/Egorov Artem
Berlin -

Wenn es um die Pflege empfindlicher oder allergischer Haut geht, ist Ectoin ein wahrer Alleskönner: In den vergangenen Jahren gewann es immer mehr an Bedeutung. Doch was ist Ectoin, wie wird es gewonnen und was kann es?

Extrem-Schutz für Bakterien

Bei Ectoin handelt es sich um eine natürlich vorkommende Substanz: Sie wird von den sogenannten extremophilen Bakterien gebildet. Diese schaffen sich so eine schützende Hülle an, die sie vor Umwelteinflüssen bewahrt und somit ein Leben in extremem Umfeld ermöglicht – ohne diese Hülle sterben die Bakterien ab. Extremophile Bakterien leben beispielsweise in Geysiren, Wüsten, Eis oder Salzseen.

Ectoin wirkt hydratisierend und bildet eine Wasserschicht um die Bakterien. Dadurch werden sie vor UV-Strahlung, extremen Temperaturschwankungen, Austrocknung und hohen Salz- oder Säurekonzentrationen geschützt. Der Wasserfilm ist luftdurchlässig und sehr stabil, da Ectoin die Wechselwirkungen zwischen den Wassermolekülen verstärkt – es entsteht ein engmaschiges Netz zwischen dem Wirkstoff und den umliegenden Proteinen und Zellmembranen.

Gewinnung durch „Bakterien-Melkung“

Ectoin wird im Gegensatz zu vielen anderen Wirkstoffen nicht künstlich, sondern direkt aus den Bakterien gewonnen. Dazu werden die Bakterien „gemolken“: Sie werden einer Extrembedingung, meistens hoher Salzkonzentration, ausgesetzt. Dabei füllen sie sich mit Ectoin, welches sie vor der hohen Salzkonzentration schützt. Anschließend werden die Bakterien mit einer salzfreien Lösung gewaschen: So wird das gespeicherte Ectoin freigesetzt und kann extrahiert werden.

Kosmetischer Einsatz von Ectoin

Die Substanz verfügt über hydratisierende, entzündungshemmende und pflegende Eigenschaften. Durch die Anwendung sollen die Zellen stabilisiert und geschützt werden: Umwelteinflüsse oder Allergene werden abgehalten und die Hautschutzbarriere gestärkt. Seit 2001 wird Ectoin in Kosmetika verwendet. Die Wirkung hält besonders lange an: Nach zwölftägiger Behandlung bleibt der hydratisierende Effekt auch nach Absetzen noch mehrere Tage lang erhalten.

Ectoin wird mittlerweile in vielen Pflegeprodukten für allergische oder sensible Haut verwendet. So beispielsweise auch in der Dermastabil-Pflegeserie von Medipharma Cosmetics: Neben einem Reinigungsmousse und einer Gesichtspflege gibt es außerdem eine spezielle Augenlidcreme und einen hautberuhigenden Körperbalsam. Alle Produkte der Dermastabil-Pflegeserie sind für Allergiker geeignet und werden ohne Parabene, Parfum und potenziell krebserregendes Polyethylenglykol (PEG) hergestellt.

Ectoin: Anwendung in der Pharmazie

Ectoin wird jedoch nicht nur in Kosmetika verwendet. Die Schutzwirkung hat man sich auch in der Pharmazie zu Nutze gemacht. Daher findet die Substanz in der Allergiebehandlung oder bei Asthmaerkrankungen sowie bei COPD ihre Anwendung. Viele Allergie-Nasensprays oder Augentropfen enthalten Ectoin. Mittlerweile stehen auch Inhalationslösungen für Vernebler zur Verfügung. Ein großer Vorteil von ectoinhaltigen Präparaten ist, dass sie zu keinem Gewöhnungseffekt führen und so bedenkenlos über einen längeren Zeitraum angewendet werden können. Außerdem sind sie sehr gut verträglich und es sind kaum Nebenwirkungen bekannt.