Nasenspray-Abhängigkeit: Leichtes Spiel für Keime

, Uhr
Berlin -

Während einer Erkältung ist der Griff zu abschwellenden Nasensprays häufig schnell gemacht. Nicht selten werden die Sprays länger als eine Woche verwendet, oft entwickelt sich daraus eine Nasenspray-Abhängigkeit. Diese ist nicht nur lästig, sondern kann auch die Basis für Infektionen darstellen: Denn belastete Nasenschleimhäute stellen eine ideale Eintrittspforte für Keime dar.

Nasenspray ist nicht gleich Nasenspray: Deshalb muss nicht zwangsläufig aufs Sprühen verzichtet werden. Pflegende Nasensprays mit Meersalz oder Panthenol können auch langfristig angewendet werden, um der Nase etwas Gutes zu tun. Gleiches gilt auch für Nasenöle wie GeloSitin. Sie alle bergen keine Abhängigkeitsgefahr – im Gegenteil: Eine regelmäßige Pflege kann sogar dazu beitragen, dass abschwellende Nasensprays nicht oder nur für einen kürzeren Zeitraum benötigt werden.

Gefahr durch den Rebound-Effekt

Ein Gewöhnungseffekt entsteht nur bei Nasensprays mit abschwellenden Wirkstoffen wie Xylometazolin oder Oxymetazolin. Die Substanzen gehören zur Gruppe der Sympathomimetika: Sie wirken gefäßverengend und lassen die angeschwollenen Nasenschleimhäute durch Einfluss auf die Alpha-Adenoreptoren abschwellen. Bereits nach zehn Tagen Dauergebrauch kann es zu einem Gewöhnungseffekt kommen. Zugrunde liegt ein sogenannter „Rebound-Effekt“: Dieser kommt durch die Stimulation der Beta-Rezeptoren zustande. Die Nasenschleimhäute schwellen dann auch ohne Infektion an, die Nase fühlt sich verstopft an – es wird wieder gesprüht. Denn schließlich schafft das Nasenspray Abhilfe, zumindest kurzfristig.

Auf lange Sicht nehmen die Schleimhäute jedoch Schaden: Es muss immer häufiger gesprüht werden, damit die Nase frei bleibt. Gleichzeitig trocknen die Substanzen die Nasenschleimhaut aus. Oft werden sie empfindlich, können schnell reißen und bluten. Die Rede ist dann von einer Rhinitis medicamentosa, welche einen echten Teufelskreis darstellt. Denn die trockenen, gereizten Schleimhäute bergen eine weitere Gefahr: Sie können ihre Schutzaufgabe nicht mehr erfüllen – Keime können leichter anhaften und zu Infektionen führen. Sie werden zur regelrechten „Autobahn für Keime“.

Lesen Sie auch

APOTHEKE ADHOC Debatte

Neuere Artikel zum Thema

Downloads: HV-Wissen to go

Weiteres
Wenig Interesse an Telemedizin
Stada-Umfrage: Arzt sticht App»
EU muss Schnittstellen-Verordnung absegnen
E-Rezept: Vorerst keine Daten für Vor-Ort-Plattformen»
Hausärzte klagen über fehlenden Impfstoff
„Womit sollen die Apotheken impfen?“»
Pfeiffer befürchtet Beitragssteigerung
Kassen wollen Ausgaben drücken»
Verkauf auch ohne BfArM-Listung möglich
Ansturm auf Schnelltests: Ramschgefahr»
Covid-19-Fälle in der Familie
Corona befeuert Personalnot in Apotheken»
Beeinflussung von Metastasen
Palmfett, Rezeptoren und Krebs»