Keime: Wo sie sich wohlfühlen, wie man Ansteckungen vermeidet

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Berlin - Sie lauern überall: Viren, Bakterien und Pilze befinden sich auf allen Oberflächen – keimfrei ist es unter normalen Bedingungen nirgendwo. Die meisten Mikroorganismen sind für den gesunden Menschen nicht gefährlich. Dennoch können keimbelastete Oberflächen zum gesundheitlichen Risiko werden. Insbesondere für vorerkrankte und immunsupprimierte Personen können beispielsweise Streptokokken, Candida albicans oder Rhinoviren zum Problem werden. Eine geeignete Oberflächendesinfektion tötet die Erreger ab und verhindert, dass sie verschleppt werden.

Keime können unterschiedlich lange auf den verschiedenen Oberflächen überleben. Wie lange ein Virus, ein Bakterium oder ein Pilz infektiös bleibt, hängt zum einen von seinen charakteristischen Eigenschaften ab. Weiteren Einfluss haben die Beschaffenheit der Oberfläche, auf der der Keim sich befindet, sowie die Umgebungsbedingungen. Vor allem Temperatur und Luftfeuchtigkeit sind entscheidend. Die meisten Erreger bevorzugen feuchte Umgebungsluft und milde Temperaturen. Nur wenige Ausnahmen überleben bei starker Kälte oder höheren Temperaturen. Zwischen 15 und 35 Grad fühlen sich beispielsweise die meisten Bakterien wohl.

Sanitäre Anlagen infektiöser als Türklinken & Co.

Als besonders kritische Keimquelle gilt das Badezimmer. Über Schmutzwasser-Rückstände im Waschbecken, in der Dusche oder in der Toilette könnten sich die Erreger leichter verbreiten als über andere Oberflächen. Das liege laut Wissenschaftlern daran, dass Keime meist über Tröpfchen und Aerosole verbreitet werden. Die Toilettenspülung wirbelt beispielsweise nach Betätigung Luft auf – Keime könnten nach dem Aufwirbeln auf die Klobrille herabsinken und den nächsten Benutzer einem potentiellen Übertragungsrisiko aussetzen. Die infektiösen Schwebeteilchen sollen dabei über eine Minute lang bis zu knapp einem Meter hochsteigen und könnten so auch eingeatmet werden. Man könne davon ausgehen, dass diese Geschwindigkeit noch höher ist, wenn eine Toilette häufig benutzt wird, so etwa bei einer Familientoilette oder einer öffentlichen Toilette in einem dicht besiedelten Raum, erläutert einer der Studienautoren (Studie: Aerosol and Surface Stability of Sars-CoV-2 as Compared with Sars-CoV-1, The New England Journal of Medicine).

Die Hülle macht den Unterschied bei Viren

Es gibt behüllte und unbehüllte Viren. Sars-CoV-2 beispielsweise besitzt eine Virushülle. Dieser Fakt ist wichtig für die Wahl des richtigen Desinfektionsmittels. Hier sind Mittel mit nachgewiesener Wirksamkeit gegen behüllte Viren („begrenzt viruzid“) erfolgreich. Mittel mit erweitertem Wirkbereich gegen Viren wie „begrenzt viruzid plus“ oder „viruzid“ können ebenfalls verwendet werden. Die Hülle macht das Virus empfindlicher gegenüber Alkohol. Auch beim „Überleben“ auf Oberflächen bietet die Hülle keinen zusätzlichen Schutz. Influenza-Viren sowie Sars-CoV-1 und Sars-CoV-2 bleiben im Mittel zwei bis drei Tage auf Oberflächen aktiv. Im Gegensatz dazu bleiben unbehüllte Noro- oder Rhinoviren bis zu sieben Tage infektiös. Das unbehüllte Rotavirus bleibt auf unbelebten Oberflächen bis zu sechs Tage lang ansteckend, so die Ergebnisse der meisten Untersuchungen. Einige Studien konnten zeigen, dass das Virus bei optimalen Umgebungsbedingungen bis zu 60 Tage aktiv bleibt.

Bakterien überleben anders

Bakterien unterscheiden sich in ihrem Aufbau stark von Viren. Sie benötigen zur Vermehrung keine Wirtszelle – Bakterien besitzen zwar keinen Zellkern und zählen somit zu den Prokaryoten, doch die DNA liegt frei im Zytoplasma vor. Auf unbelebten Oberflächen können die Bakterien unter optimalen Bedingungen bis zu vier Jahre überleben. Im Mittel bleiben sie mehrere Tage aktiv. Durch Einfrieren werden Bakterien nicht vollständig abgetötet. Manche beginnen erst bei Temperaturen bei über 60 Grad Celsius (bspw. Salmonellen) abzusterben.

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