Evolutionärer Trick

Husten: Katapult für Erkältungsviren APOTHEKE ADHOC, 03.01.2019 12:36 Uhr

Berlin - Husten ist ein Schutzreflex und soll die Atemwege von Fremdkörpern und überschüssigem Sekret befreien. Eine Proportionalität zwischen Husten und Schleim gibt es jedoch nicht. Man hustet also nicht, weil man den Schleim loswerden muss. Laut Experten ist der Reiz vielmehr ein manipulativer Mechanismus und evolutionärer Trick der Viren, um sich zu verbreiten.

Husten wird in drei Phasen unterteilt. Die Auslösung erfolgt unbewusst und hat eine schnelle Einatmung zur Folge. Die Luft wird dann gegen die geschlossene Stimmlippe gedrückt. Schließlich öffnet sich die Stimmritze und die komprimierte Luft schießt explosionsartig mit Geschwindigkeiten von mehr als 100 km/h heraus und schleudert nicht nur Tröpfen, sondern auch die Erreger nach draußen. Ansteckung droht. Ist Husten also ein Trick der Viren, die bei einer gestörten oberen Schleimschicht die „Hustenfasern“ reizen?

Über das respiratorische Epithel können die Viren in den Organismus gelangen. Die leicht saure Nasenschleimhaut stellt die erste Abwehrfront dar. Versagt diese und der Erreger dringt in den Organismus ein, startet der Abwehrmechanismus des Körpers. Die Lymphozyten werden aktiviert und Leukotriene, Prostaglandin und Histamin freigesetzt. Schleimhautödeme, Bronchospasmen und zäher Schleim sind die Folgen. Außerdem wird das Gewebe durch die Entstehung freier Radikale geschädigt. Im Gesamtergebnis kommt zur Störung der mukoziliären Clearance.

Erkältungsviren schädigen zu Beginn des Infektes die obere Schicht der Bronchialschleimhaut. Die pathogenen Keime können durch die kleinen Risse zu den tiefer liegenden Zellen vordringen und sich vermehren. Aufgrund der geschädigten Bronchialschleimhaut liegen die Hustenrezeptoren frei. Mechanische, thermische oder chemische Reize können schnell einen Reiz auslösen. Diese werden über rücklaufende Nervenbahnen in das Hustenzentrum weitergeleitet. Der Husten hat also mit der Schleimproduktion nichts zu tun. Das erklärt auch, warum nach überstandenem Infekt oft ein trockener Reizhusten zurückbleibt.

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