Unterschiedliche Wirkspektren

Desinfektion: Bakterizid, viruzid & Co.

, Uhr
Berlin -

Desinfektionsmittel ist nicht gleich Desinfektionsmittel – je nach Zusammensetzung können Eigenschaften variieren und die Wirkung auf verschiedene Erreger kann unterschiedlich stark sein. Bei der Desinfektion gilt es also unter anderem die Wirkspektren zu beachten, um die gewünschte Keimfreiheit zu erlangen. 

Einen Überblick der verschiedenen Produkte mit deren Eigenschaften gibt es hier auch als Download.

Grundsätzlich wird bei Desinfektionsmitteln zwischen Hand- und Flächendesinfektion unterschieden – denn nicht alle Wirkstoffe dürfen auf die Haut. Je nach Zweck und Anwendung kommen daher verschiedene Wirkstoffe zum Einsatz. Viele Desinfektionsmittel besitzen eine Alkoholbasis – doch auch hier gibt es Unterschiede: Sowohl rein ethanolhaltige wie auch rein isopropanolhaltige Lösungen und auch Mischungen sind erhältlich. Das Mischverhältnis von Ethanol und Isopropanol entscheidet dabei über das Wirkspektrum. Je nach Höhe der Konzentrationen sind manche Lösungen rein bakterizid, andere auch viruzid.

Auf das Wirkspektrum kommt es an

Eine Liste des Robert-Koch-Instituts (RKI), in der die Mittel nach ihren Wirkungsbereichen unterteilt sind, schafft Klarheit: Wirkungsbereich A umfasst Bakterien und Pilze, Wirkungsbereich B nur Viren. Viruzide Händedesinfektionsmittel wirken demnach gegen alle drei Keimarten. Je nach Zusammensetzung des Präparates tötet viruzides Desinfektionsmittel jedoch ausschließlich behüllte oder auch unbehüllte Viren ab.

Die Einteilung der Desinfektionsmittel erfolgt folgendermaßen:

  • bakterizid
    • tötet Bakterien ab, keine Sporen (Sporenbildner sind beispielsweise Bacillus- und Clostridium-Stämme)
  • fungizid
    • tötet Pilze, beispielsweise Hefepilze, ab
  • viruzid
    • tötet behüllte und unbehüllte Viren ab
  • begrenzt viruzid
    • tötet behüllte Viren ab
  • begrenzt viruzid plus
    • tötet behüllte Viren, sowie Adeno-, Noro- und Rotaviren ab

Die richtige Handdesinfektion

Für eine ordnungsgemäße Handdesinfektion muss das Desinfektionsmittel mindestens 30 Sekunden einwirken können. Außerdem ist eine ausreichende Menge notwendig, denn alle Bereiche der Hand müssen vollständig benetzt sein. Rund drei Milliliter Lösung sind demnach erforderlich – das entspricht etwa einer vollständig gefüllten Kuhle einer hohlen Hand. Für eine optimale Desinfektion der Hände sollte ein festes Schema befolgt werden, um alle Stellen zu erreichen: Fingerzwischenräume, Daumen, Fingerspitzen und Handgelenke sollten nicht vergessen werden.

Grundlagen für die Flächendesinfektion

Bestimmte Wirkstoffe dürfen nicht auf der Haut angewendet werden, da sie die Haut reizen können und zu Irritationen führen. Diese sind vor allem für die Reinigung und Desinfektion von Oberflächen geeignet. Oftmals werden potenzielle Infektionsquellen wie Oberflächen im Sanitärbereich, Fußböden, Handläufe, Türklinken und Lichtschalter mit Konzentraten desinfiziert, die vor dem Gebrauch verdünnt werden müssen, aber auch fertige Lösungen stehen zur Verfügung. Neben den für die Handdesinfektion verwendeten Alkoholen kommen hier auch quartäre Ammoniumverbindungen, Aldehyde und andere Detergentien zum Einsatz. Sollen auch Sporen abgetötet werden, müssen sporozide Wirkstoffe wie Peressigsäure, Wasserstoffperoxid, Essigsäure und Natriumhypochlorit verwendet werden.

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

Neuere Artikel zum Thema

APOTHEKE ADHOC Debatte

Weiteres
Umlautprobleme und Botendienstsorge
E-Rezept: Vor- und Nachteile in der Praxis»
Ärzt:innen warnen vor Zwangseinführung
KV Hessen: Resolution gegen das E-Rezept»
Erhöhter Beratungsbedarf bei Biosimilars
Abda: Kein Austausch ohne Zusatzhonorar»
Lauterbach will vorsorgen
G7 schließen Pandemiepakt»
„Ist das noch sinnvolle Gesundheitspolitik?“
KV will Impf-Apotheken rückgängig machen»
Pharmazeutische Dienstleistungen
PharmDL: Warten auf den Schiedsspruch»
Vorgaben für Personal, Räume und Dokumentation
Grippeimpfungen in Apotheken – Die Regeln»
Auf antibakterielle Wirkstoffe besser verzichten
Hautcremes können dem Mikrobiom schaden»
Erste Leitlinie für Diagnose & Behandlung
Vitiligo: Wenn der Haut die Pigmente fehlen»