Aktienkurse rutschen ab

E-Rezept kommt später – Versender in Erklärungsnot Patrick Hollstein, 01.05.2021 08:13 Uhr

  • Keine guten Nachrichten: Dass das E-Rezept erst später bundesweit startet, kommt bei den Aktionären von Zur Rose und Shop-Apotheke nicht gut an (hier: Generalversammlung 2019). Foto: APOTHEKE ADHOC

Berlin - Der verzögerte Start des E-Rezepts bringt die Versandapotheken in Erklärungsnot. Denn in deren Bewertung an der Börse ist der groß angekündigte Rx-Boom längst eingepreist. Folge: Die Aktienkurse von Shop Apotheke und Zur Rose rutschen ab.

Nur Minuten nach Veröffentlichung der Meldung, dass der Launch des E-Rezepts im Juli zunächst auf die Modellregion Berlin/Brandenburg reduziert wird, sackten die Aktienkurse der beiden börsennotierten Versender ab: Shop Apotheke verlor bis zum Freitagnachmittag gut 10 Prozent, Zur Rose sogar 13 Prozent.

Auf Nachfrage geben sich beide Versender betont gelassen: Seitens der Gematik sei nur die sechsmonatige Übergangsfrist, in der Papier- und E-Rezepte noch parallel liefen, für drei Monate auf eine Modellregion beschränkt worden, in der bereits alle technischen Voraussetzungen vorhanden seien, relativiert ein Sprecher von DocMorris. Im vierten Quartal werde der Test dann bundesweit geöffnet und ab dem 1. Januar 2022 werde das E-Rezept – wie geplant und gesetzlich vorgegeben – bundesweit angewendet.

„Die Vorbereitungen der Zur Rose-Gruppe mit Blick auf die verpflichtende Einführung des elektronischen Rezepts in Deutschland per 1. Januar 2022 schreiten plangemäß voran“, so der Sprecher. Mit 9,8 Millionen Kunden im deutschen Markt und mit DocMorris als bekanntester Apothekenmarke habe man eine hervorragende Ausgangslage, um Kunden mit dem Service- und Versandangebot zu überzeugen und den Umsatz in diesem Bereich nach der Implementierung der benötigten Infrastruktur weiterhin deutlich zu steigern. „Zudem ist die Gruppe Partner im TK-Projekt ‚eRezept Deutschland‘, welches Fahrt aufnimmt und steigende E-Rezept Zahlen verzeichnet. Hier ergeben sich bis zur Gematik-Umsetzung weitere Chancen.“

Eine Sprecherin des Mutterkonzerns erklärte auf Nachfrage, man sehe aktuell keinen Anlass für eine Änderung der Finanzziele. Zur Rose hatte das E-Rezept in seinem Ausblick für das laufende Jahr einkalkuliert: Man rechne ab diesem Jahr mit einem „deutlichen Wachstum im Bereich rezeptpflichtiger Medikamente“, so das Management im Januar. Noch im März hieß es: „Erste eRx-Umsätze werden nach der Einführung der eRx-Infrastruktur der Gematik (voraussichtlich im Juli 2021) und eine deutliche Steigerung nach der verpflichtenden eRx-Einführung ab 2022 erwartet.“ Zuletzt war offenbar schon bekannt, dass der Start nicht wie geplant laufen würde – in der Meldung zum 1. Quartal wurde nur noch auf die verpflichtende Einführung Anfang kommenden Jahres verwiesen.

Die Meldung, dass der bundesweite Start sich verzögert, wäre bei Zur Rose mitten in die Generalversammlung geplatzt – so sie denn stattgefunden hätte. Zum zweiten Mal in Folge konnten die Aktionäre wegen der Corona-Krise ihre Mitspracherechte nur per Abstimmung über einen Stimmrechtsvertreter ausüben.

Bei der letzten Generalversammlung vor zwei Jahren hatte CEO Walter Oberhänsli den Anteilseignern noch einmal mit Blick auf das E-Rezept den Mund wässrig gemacht. „Endlich hat der Herrgott unsere Gebete erhört – beziehungsweise der Bundesgesundheitsminister“, sagte er damals in Zürich. Beim Thema Rx sei man im Versandhandel noch ganz am Anfang; Oberhänsli sieht Milliardenumsätze auf sich und sein Unternehmen zurollen: Einen Marktanteil von 5 Prozent habe die Politik ins Spiel gebracht, Erfahrungswerte aus der Schweiz oder aus Schweden zeigten, dass 10 Prozent durchaus realistisch seien.