Patient testet E-Rezept

Testbericht: Patient verzweifelt am E-Rezept

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Nach zahlreichen Versuchen habe es dann tatsächlich geklappt, den Verzeichnisserver zu erreichen und sich zu authentifizieren. Nun also wollte der Arzt das E-Rezept auf dem Verzeichnisserver abgelegen, um dann aus der Praxissoftware den Zugangstoken auf Reinickes Smartphone schicken zu können. Doch nichts davon ging. „Es kam dann ständig eine Meldung, dass der E-Rezept-Fachdienst nicht erreichbar sei.“ Erneut hätten sie es unzählige Male versucht, letztlich hat Reinicke sogar persönlich das TI-Equipment und die Software unter die Lupe genommen, um sicherzugehen, dass es kein Problem in der Praxis gibt. Das sei auch tatsächlich sei so gewesen, versichert er. „Die Technik vor Ort lief einwandfrei, es hat also eindeutig daran gelegen, dass der E-Rezept-Fachdienst wirklich nicht erreichbar war.“ Warum das so ist, darüber könne er selbst auch nur spekulieren. „Naheliegend ist, dass es Probleme gab und der Server offline genommen wurde, um die zu beheben.“ Allerdings, das muss eingeräumt werden: Es war der zweite Tag der Testphase, der Vorgang wäre also alles andere als ungewöhnlich. Nicht umsonst läuft der E-Rezept-Start schließlich als Mini-Test mit jeweils einem Apotheker, Arzt und Versicherten.

Reinicke half das in dem Moment natürlich nicht weiter, nachdem er es gemeinsam mit dem Arzt bis zur Verzweiflung versucht hatte, verließ er die Praxis unverrichteter Dinge. „Ich bin dann ohne Medikamente nach Hause gegangen, weil wir es nicht mehr zum Laufen gebracht haben. Wenn man sich die Berichterstattung großer Medien von RTL bis RBB anschaut, ist das schon kurios: Da klang es so, als ob es ab dem 1. Juli die ersten E-Rezepte gibt. Davon kann überhaupt nicht die Rede sein.“

Entsprechend fällt auch sein abschließendes Fazit aus: „Das ist noch sehr weit weg von der Regelversorgung.“ Auch wenn es geklappt hätte, ein E-Rezept auszustellen und eventuell sogar zu bedienen, sehe er noch nicht wirklich, wie sich das Konzept unter den jetzigen Voraussetzungen bewähren soll. „Es sind schon von der Freischaltung der eGK bis zum Erhalt eines E-Rezepts in der App viel zu viele Einzelschritte notwendig“, sagt er. „Man braucht wirklich viel eigenes Interesse und Ausdauer. Die allermeisten werden wahrscheinlich nach der zweiten Fehlermeldung aufgeben und einfach den Papierausdruck verwenden.“ Was eigentlich als Behelf gedacht ist, sei in Wirklichkeit viel anwenderfreundlicher – er habe deshalb Zweifel, dass sich die Gematik-App etablieren werde. „Mit dem Papierausdruck ist es viel bequemer. Dann brauche ich keine andere App, sondern gar keine App. Ich gucke einfach bei Google Maps, wo die nächste offene Apotheke ist und gehe mit dem Ausdruck dahin – oder wenn ich Versandkunde bin, dann halte ich einfach die DocMorris-App an den Ausdruck.“

*Sowohl der echte Name des Versicherten als auch des Unternehmens sind der Redaktion bekannt.

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