Seyfarth: E-Rezept muss später kommen

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Tatsächlich haben die Probleme mit den Impfzertifikaten gezeigt, wie viele Lücken noch zu schließen sind. Noch immer sind 5 bis 10 Prozent der Apotheken nicht an die Telematikinfrastruktur (TI) angeschlossen. Und die unter Druck erfolgte Umstellung des Zertifikatemoduls auf die TI hat gezeigt, dass in der Praxis immer Detailprobleme auftreten, die nicht zu erwarten waren.

„Noch so ein Desaster wie mit den Impfzertifikaten können wir uns nicht erlauben“, ist auch Seyfarth überzeugt. Aus seiner Sicht war der Imageschaden für die Apotheken beträchtlich, obwohl sie selbst gar keine Schuld traf. Trotzdem ist Desaster mit der Sicherheitslücke im Portal natürlich auch in der Politik wahrgenommen worden. Speziell zu den Impfzertifikaten und allgemein zu allen Fragen der TI-Anbindung sind DAV und Abda derzeit mindestens einmal wöchentlich im Austausch mit dem Bundesgesundheitsministerium (BMG).

Der größte Engpass zum Start des E-Rezepts ist aber nach wie vor die Praxissoftware. Bislang ist nur ein eher kleiner Anbieter überhaupt dazu in der Lage, E-Rezepte auszustellen. Mit Turbomed könnte demnächst wenigstens ein namhaftes Unternehmen dazukommen. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) bezweifelt, dass bis zum 1. Januar alle PVS-Anbieter in der Lage sein werden, die E-Rezept-Module zu integrieren. In dem im Vergleich zu den EDV-Anbietern der Apotheken deutlich kleinteiligeren Markt müssten nach Schätzungen von Beteiligten schon etwa 20 Softwarehäuser der Ärzte bereit sein, um eine signifikante Abdeckung zu erreichen. Der KBV-Chef Dr. Andreas Gassen, hatte sich zuletzt ebenfalls gegen eine überstürzte Digitalisierung ausgesprochen: Die Praxen seien „kein Versuchslabor für die digitalen Wunschvorstellungen der Politik“.

Und das letzte Argument gegen den derzeit geplanten Stichtag: Der 1. Januar ist insgesamt ein extrem ungünstiger Termin. In den Apotheken und Praxen herrscht auch aufgrund der Feiertage und Ferien ohnehin Ausnahmezustand, zudem treten zum Jahreswechsel regelmäßig noch andere gesetzliche Änderungen in Kraft, die in der Software umgesetzt werden müssen.

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