Abda-Präsidentin bei der VISION.A

Overwiening: E-Rezept Phase II erst 2024?

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Abda-Präsidentin Gabriele Overwiening glaubt nicht an einen bundesweiten Rollout des E-Rezepts in der näheren Zukunft.
Berlin -

Abda-Präsidentin Gabriele Overwiening glaubt nicht an einen bundesweiten Rollout des E-Rezepts in der näheren Zukunft: Wenn die Einführung in diesem Tempo vorangeht, werde ein Jahr vergehen, bis auch nur die erste Phase geschafft sei, sagte sie im Gespräch mit APOTHEKE ADHOC bei der Zukunftskonferenz VISION.A. Im Interview sprach sie auch über den Kassenabschlag, die Chancen und Risiken für kleine Apotheken und ihren Wunsch an Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD).

Overwiening, die auch Präsidentin der Apothekerkammer Westfalen-Lippe ist, könnte in ihren Apotheken eigentlich durchstarten. Schließlich ist der Kammerbezirk nach dem Ausstieg von Schleswig-Holstein einzig verbliebene Roll-out-Region. Und das ganze Team in der Apotheke habe zigfach geübt. Nur anwenden konnten Overwiening und ihre Mitarbeiter:innen die neuen Fähigkeiten bislang kaum. In ihrer Apotheke im Münsterland wurde am 1. September ein einziges E-Rezept eingelöst – „und bis heute Morgen kein weiteres“, berichtet die Abda-Präsidentin.

Das liegt laut Overwiening vor allem daran, dass nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung erst 60 Arztpraxen in Westfalen-Lippe überhaupt E-Rezepte ausstellen. Sie habe bei der großen Gemeinschaftspraxis in der Nähe der Apotheke vorgesprochen. Und obwohl dort viele junge Ärzt:innen arbeiteten, habe sie noch am Dienstag die Aussage erhalten: „Wir stellen im Moment keine E-Rezepte aus.“

Praxen sehen Hürden

Die KV hätte die Praxen aus ihrer Sicht intensiver mitnehmen müssen. „Die sehen für sich eine zusätzliche bürokratische Hürde, sie müssen anderes Papier haben für den Token-Ausdruck und es ist ein anderer Ablauf.“ Von der Aufklärung der Patienten bis zur Einstellung des Druckers – die Praxen scheuten den Aufwand und vertrösteten auf später. „Tja, und dann bleibt auf der Strecke“, so Overwiening.

Der Gesellschafterbeschluss der Gematik sieht vor, dass in Westfalen-Lippe 25 Prozent der Verordnungen erfolgreich als E-Rezept ausgestellt werden, bis der Roll-out auf die nächsten KV-Bezirke ausgeweitet wird. In welchem Jahr sie denn damit rechne? „Ja ich glaube, die Frage nach der Jahreszahl ist wirklich die richtige Frage… Das wird nicht schnell zu Ende gehen können. Diese erste Phase wird länger dauern, als es bisher angedacht war.“

Phase II erst 2024?

Die Apotheken sammelten gerade Erfahrungen und reichten gefundene Probleme auch an die Gematik weiter. Eine feste Prognose können sie nicht abgeben. Nur so viel: „Ich würde eher sagen, dass das, wenn das in diesem Tempo vorangeht, dass wir ein Jahr brauchen, bis wir diese erste Phase überhaupt geschafft haben.

Was die Übermittlung des E-Rezepts angeht, möchte Overwiening die Entscheidung den Patient:innen überlassen – solange die Übertragung sicher ist. Gegen E-Rezepte auf Papier hat sich auch nichts, auch im Einsatz der elektronischen Gesundheitskarte sieht sie Vorteile für die Versicherten und auch für die Praxen. Sie freue sich, dass dieser dritte Weg neben App und Ausdruck nun noch geschaffen werde. „Und ich hoffe, dass wir mit dieser Dreierkombination das wirklich gut auf den Weg bringen können.“

Kein Platz für Plattformen

Die Abda hat sich in ihren Stellungnahmen dafür ausgesprochen, dass E-Rezepte nur über die Telematikinfrastruktur (TI) übermittelt werden dürfen – was die Plattformen ausschließt. Die TI sei seit vielen Jahren aufgebaut worden, um schützenswürdige Daten sicher hin und herschicken zu können, begründet Overwiening diese Haltung. „Wenn ich jetzt an der Ti vorbei andere Wege eröffne, dann stelle ich den gesamten Prozess infrage und letztendlich opfere ich damit die Patientensicherheit.“

„Die Plattformen, die für sich gedacht haben, dass sie ganz leicht mal eben E-Rezepte oder Token transportieren können, die müssen sich andere Dinge überlegen“, so Overwiening weiter. Sie könnten andere Services anbieten, die nachgeschaltet seien, möglicherweise Schnittstellen für weitere Beratungsleistungen. „Aber der Transport des E-Rezeptes kann über diese Plattformen nicht gehen.“

Was wird aus Gedisa?

Damit würde sich die Abda allerdings auch eine zentrale Funktion ihres eigenen Apothekenportals abschneiden: „Das würde auch für das Gedisa-Portal gelten.“ Apotheken könnten aber über das Portal gefunden werden und als an die TI angeschlossene Betriebe ihrerseits E-Rezepte über die TI verschicken. „Das heißt, ich kann durchaus eine Eintrittspforte haben über ein solches Portal haben, nur das Portal selber transportiert nicht die Token.“

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