E-Rezept: Datenschutz-Zoff bei eRixa

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Jene Server sind auch ein weiterer Kritikpunkt: So sei aufgefallen, dass eRixa zur Speicherung der Daten den Microsoft-Cloud-Dienst Azure benutzt. „Das Rechenzentrum befindet sich zwar in Deutschland, jedoch erhebt Microsoft trotzdem einige Daten, die damit den EU-Raum verlassen“, so der Testbericht – eine Anspielung auf das Privacy-Shield-Urteil des Europäischen Gerichtshofes (EuGH), das den Abfluss sensibler Daten aus der EU untersagt. Allerdings: Sämtliche sensiblen Daten seien auf den besagten beiden Servern in Hamburg und Nürnberg gespeichert und verließen deshalb nicht einmal Deutschland, geschweige denn die EU, versichert Odenbach: „Nur weil wir Azure nutzen, heißt das doch nicht, dass Rezeptdaten bei Trump auf dem Schreibtisch landen!“ Ein Verstoß gegen Datenschutzrichtlinien sei ausgeschlossen.

Ein anderer Kritikpunkt scheint auf einem Missverständnis zu basieren, das auch schon Apotheken bei elektronischen Rezepten von Telemedizinanbietern unterlief: „Beim Senden von Rezeptdaten an eine Demo-Apotheke landeten die Daten in einem E-Mail-Postfach des Anbieters, was ebenfalls aus Datenschutzsicht höchst bedenklich ist“, heißt es da. „Wir verschicken aber keine E-Rezepte per Mail. Es handelte sich lediglich um die Benachrichtigung, dass ein E-Rezept auf dem Server bereitliegt“, erwidert Odenbach. Ein weiterer Vorwurf aus dem Bericht – Mediatest habe bei der Versendung sensible Daten mitlesen können – habe sich schlicht als falsch herausgestellt. Auch Wolters habe das ihm gegenüber eingeräumt, sagt Odenbach: „Er konnte mir nicht mal sagen, welche Daten genau das sein sollen.“

Immerhin liegt Mediatest nicht ausschließlich falsch. So kritisiert das Testlabor, dass die Datenschutzerklärung fehlerhaft sei und offensichtlich ursprünglich nicht für eRixa vorgesehen war. So sei beispielsweise an einigen Stellen die Rede von Arbeitszeugnissen. Diese irreführenden Erwähnungen seien vermutlich auf den Hersteller Smartoffice-rv zurückzuführen, der sich bei anderen Produkten unter anderem mit Arbeitszeugnissen beschäftigt, mutmaßen die Tester und liegen damit richtig. Odenbach räumt den Fehler ein und versichert, er werde ihn beheben. So sei er auch mit Wolters übereingekommen, an den er sich nach Veröffentlichung des Testberichts wendete, um sich zu beschweren. Ergebnis: Die letzten offenen Punkte werde man gemeinsam beheben und eRixa dann ein „Appvisory“-Zertifikat von Mediatest erhalten.

 

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