„Kein anderer Arzt macht das bisher“

E-Rezept: Traumpartner Zahnarztpraxis?

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Berlin -

Fast jede:r zweite Inhaber:in will sich auf die Einführung des E-Rezepts vorbereiten. Dazu sind jedoch die Praxen nötig. Doch die „Pärchenbildung“ ist mitunter nicht leicht. Erst jüngst zeichneten die Kassenärzt:innen ein düsteres Bild, was die Situation vor Ort angeht. Technisch versierter scheinen die Zahnarztpraxen – sind die Zahnmediziner:innen auf dem Weg zum E-Rezept die neuen Traumpartner der Apotheken?

Zahnarztpraxen sind beim E-Rezept überdurchschnittlich aktiv. So lautet eine klare Ansage der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV). Die Mitglieder nutzten die vergangenen Wochen und erprobten die digitalen Verordnungen im Alltag. „Im Rahmen der verlängerten Testphase wurden allein über die KZBV rund 200 Praxen an die Softwarehersteller vermittelt. Viele andere Praxen haben sich direkt mit ihren Softwareherstellern in Verbindung gesetzt“, sagt ein Verbandssprecher.

Zahnärzt:innen suchen ‚ihre‘ Apotheken

Allein bis Anfang Mai seien rund 15 Prozent aller E-Rezepte von Zahnarztpraxen erstellt worden. „Im Rahmen der verlängerten Testphasen sind viele Zahnarztpraxen aktiv auf ‚ihre‘ Apotheken vor Ort zugegangen, um das E-Rezept erproben zu können. Teilweise haben sich Zahnarztpraxen und Apotheken auch gemeinsam auf den Weg gemacht, um erste Erfahrungen mit dem E-Rezept zu sammeln“, so der Sprecher.

Sollen sich deshalb jetzt Apotheken an Zahnärzt:innen wenden, wenn sie die E-Rezepte testen wollen? „Grundsätzlich sind viele Zahnarztpraxen technisch dazu in der Lage, E-Rezepte zu erstellen“, sagt er. Inwiefern vor Ort „Pärchen“ gebildet werden könnten, müsse immer im Einzelfall betrachtet werden. „Die Rückmeldungen aus der verlängerten Testphase sind überwiegend positiv.“

Das E-Rezept funktioniere grundsätzlich und Zahnarztpraxen hätten mitgeteilt, dass die Umstellung leicht gefallen sei. „Die Antwort hängt aber natürlich immer auch von der konkreten Umsetzung im Praxisverwaltungssystem ab. Mit Blick auf die geplante Einführung rät die KZBV weiterhin allen Praxen, die Testphase zu nutzen, um sich vorzubereiten.“

Einer der von Anfang an dabei sein wollte, ist Dr. Lutz Böckling in Dortmund-Husen. Der Zahnmediziner will sich mit seiner Praxis warm laufen. Auf Dauer verspricht er sich vom E-Rezept, dass die Abläufe schneller und einfacher werden, für sein Team und die Patient:innen. Bisher kann er den meisten nur einen Papierausdruck mitgeben. Denn um ihnen den Zugang zum E-Rezept digital zu übermitteln, benötigen die Versicherten die richtige „Ausrüstung“: eine neue NFC-fähige Gesundheitskarte von der Krankenkasse sowie die dazugehörige PIN und ein Smartphone. Dann können sie den QR-Code vom Arzt digital empfangen und mit einem Fingertipp an eine Apotheke senden.

Apothekerin lobt Zahnarztpraxis

Rund 40 E-Rezepte kamen von Böckling bereits in der Bienen-Apotheke von Carolin Schmid an. „Kein anderer Arzt macht das bisher“, sagt die Apothekerin. „Er stellt auch noch andere Rezepte aus, versucht aber bevorzugt E-Rezepte auszustellen.“ Schmid lobt das Engagement der Praxis: „Die haben Spaß daran.“ Die Angestellten seien freundlich und sehr nett, wenn es Rückfragen gebe. Natürlich gebe es im Vergleich zu Hausärzt:innen weniger Medikamente, die verordnet würden. Aber mal seien Ibuprofen oder Kariesschutzprodukte dabei.

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