Wucherpreis oder Fehler: Apotheke im Kreuzfeuer

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Inhaberin Ulrike Vogler hat unterdessen weder von dem Fall, noch von der Berichterstattung darüber etwas mitbekommen. „Ich war die Letzte, die davon erfahren hat“, sagt sie. Umso größer war der Schock, als sie am Samstag einen unerwarteten Anruf erhielt: Die Präsidentin der Apothekerkammer Salzburg, Kornelia Seiwald, wollte nachfragen, was denn da bei ihr los sei. „Daraufhin bin ich direkt in die Apotheke gehetzt, um zu schauen, was denn da passiert ist, und habe direkt eine Stellungnahme für die Kammer geschrieben.“ Die Lösung des Rätsels war schnell gefunden: „Eine Mitarbeiterin war in der Zeile verrutscht und hat den Preis falsch eingegeben“, erklärt Vogler – ein Fehler, der nicht passieren darf, aber trotzdem vorkommt, vor allem in den momentan hektischen Zeiten. „Sowas passiert, weil alles immer schnell gehen muss“, sagt die Inhaberin. „Wir haben die Apotheke voller Kunden, die warten, gleichzeitig müssen wir am Telefon sein, Mails von den Ärzten beantworten, dann noch Desinfektionsmittel herstellen und abfüllen und so weiter. Wenn man gleichzeitig immer wegschaut, passieren eben Fehler. Dazu stehe ich, das hätte mir auch passieren können.“

Was sie dennoch wundere: Wenn die Frau sich so über den Preis empört, warum hat sie nichts gesagt, sondern einfach bezahlt? „Sie hat nicht einmal Rücksprache gehalten, sondern den Zettel genommen und dann ins Netz gestellt. Das fand ich etwas unfair“, so Vogler. Dennoch, der Fehler war schnell ausgebügelt: Über Facebook kontaktierte sie die Kundin, klärte sie über den Fehler auf und bot die Auszahlung des Differenzbetrages von 25,65 Euro – der eigentliche Preis betrug 20,25 Euro – sowie als Wiedergutmachung eine zusätzliche Flasche Desinfektionsmittel an. Sie lehnte dankend ab und bat Vogler, den Betrag an eine Rettungsorganisation zu spenden. Sie werde die Summe auf 100 Euro aufrunden und das Geld spenden, versichert Vogler. Der Richtpreis für 100 ml Desinfektionsmittel liegt in Österreich übrigens bei fünf bis sieben Euro – Vogler liegt mit ihrem Preis also sogar noch darunter. Den rechtfertigt sie vor allem durch die gestiegenen Einkaufskosten.

Die Kundin hat ihren Post unterdessen ergänzt und darauf hingewiesen, dass es sich um einen Fehler gehandelt hat. Die Boulevardseite hat über den zweiten Teil der Geschichte nicht berichtet. Für Vogler bleibt deshalb neben dem Imageschaden vor allem viel Arbeit – sie habe massenhaft Mails mit Fragen zu dem Vorkommnis erhalten, die bei der sowieso gestiegenen Arbeitsbelastung mehr als ungebeten kommen, sagt sie. „Da bin ich ein bisschen zum Handkuss gekommen – als hätte ich gerade sonst keine Probleme.“

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