Off-Label Medikamente bei Covid-19

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Antikoagulanzien

Bei Covid-19-Patienten mit schwerem Verlauf kommt es häufiger zu Thromboembolien. Besonders häufig sind Lungenembolien, aber auch tiefe Venenthrombosen werden beobachtet. Der Grund, weshalb Covid-19-Patienten vermehrt zu Thromben neigen, ist noch nicht geklärt. Aktuell verfolgen die Mediziner zwei Ansätze: Zum einen birgt das lange Liegen ohne Bewegung generell eine erhöhte Blutgerinnsel-Gefahr. Zum anderen wurde in anderen Studien über einen sogenannten Zytokinsturm berichtet, der zur Schädigung und Entzündung der Gefäßwändeführen könnte. Durch diese Schädigung könnten Abscheidungsthromben leichter entstehen. Zusätzlich steigt das Thromben-Risiko mit der Anzahl und Art der Vorerkrankungen.Innerhalb der überarbeiteten S1-Leitlinie „Empfehlungen zur intensivmedizinischen Therapie von Patienten mit Covid-19“ liegt ein Augenmerk auf der Durchführung eines geeigneten Thrombose-Managements. Eingesetzt werden soll niedermolekulares Heparin.

Camostat

Camostat, ein Wirkstoff der gegen Pankreatitis in Japan zugelassen ist, wird auf die Wirksamkeit gegen Covid-19 getestet. Hierfür nutzen die Wissenschaftler auch Erkenntnisse von der Sars-Pandemie 2002/2003. Das aktuelle Coronavirus bindet, ähnlich wie Sars-CoV-1, über Proteine an die Zielzelle. Diese sogenannten Spikes benötigen eine Protease, um in die Wirtszelle einzudringen. In-vitro konnten die Wissenschaftler zeigen, dass der Wirkstoff die Oberfläche des Virus so verändert, dass es nicht in die Zelle eindringen konnte – es konnte keine Virusreplikation stattfinden. Camostat blockiert den Eintritt für Sars-CoV-2 – es wirkt als Antagonist der Serinprotease TMPRSS2.Wirksamer: Nafamostat. Dieser Serinprotease-Inhibitor zeigte innerhalb einer Preprint-Studie, dass der Eintritt von Viruszellen mit einer etwa 15-fach höheren Effizienz als die von Camostat inhibiert werden konnte.

Corticosteroide

Cortisone, insbesondere der seit mehr als 60 Jahren eingesetzte Wirkstoff Dexamethason kann die Beschwerden von Patienten mit schweren Covid-19-Verläufen lindern. Das synthethisch hergestellte Kortison konnte in der britischen Recovery-Studie überzeugen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) spricht von einem Durchbruch – Wissenschaftler sehen die Ergebnisse positiv, aber wenig überraschend. Cortisone sollen den Zytokinsturm, der bei einigen Patienten zu Lungenverletzungen und dem akuten Atemnotsyndrom (ARDS) führt, verhindern oder zumindest abmildern. Allerdings gilt es zu beachten,d ass diese Wirkstoffgruppe bei längerer Gabe zu einem generell erhöhtem Infektionsrisiko führt, sodass es zu Begleiterkrankungen kommen kann.

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