Impfstofflogistik: Das unnötige Chaos

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„Auch die Personalstrukturen zerschlagen“

„Das Frustrierendste an der ganzen Sache ist, dass wir bis Ende September so ein eingespieltes System hatten“, sagt er. Normalerweise kam der Impfstoff gegen 7 Uhr morgens und wurde konfektioniert, gegen 10 Uhr war das letzte Fahrzeug auf den Straßen, um die Mittagszeit das letzte Impfzentrum beliefert. „In fünf Stunden war alles erledigt. Das ist ein Verfahren, der über Monate super funktioniert hat. Dass man so einen Prozess per Verordnung kaputt macht, ist mir unbegreiflich. Jetzt hängt da ein riesiger Rattenschwanz dran und wir müssen uns jeden Tag neu durchhangeln: Die Impfzentren gibt es teilweise nicht mehr, wir haben andere Ansprechpartner und Anlieferungsorte, die wir erst finden müssen, und dergleichen weiter.“

Auch mit der gut einmonatigen Schließung der Impfzentren sei mehr zerstört worden als auf den ersten Blick offensichtlich ist. „Das Schlimme ist, dass auch die Personalstrukturen zerschlagen wurden“, sagt Osmann. Im August wurde den Angestellten eröffnet, dass es vorbei sei, nun würden die Impfzentren nur Wochen später neues Personal suchen, aber keines finden. „Wenn man ihnen vorher sagt, sie sind raus, dann wollen die auch nicht mehr, wenn man später nochmal fragt. Alle arbeiten am Limit und keiner hat mehr Bock“, so Osmann. „Außerdem kann man ihnen ja auch keine verlässliche Perspektive bieten. Man muss den Leuten doch auch sagen, dass sie wenigstens ein halbes Jahr da bleiben können, die machen das doch nicht nur für Luft und Liebe.“

Und es sind nicht nur die Impfstoffe. Welche Folgen die kurzsichtigen Entscheidungen des BMG in der Versorgungsrealität tätigen, sieht Osmann auch beim Testen: „Wir hatten in der Spitze vier Testzentren und haben die bis auf eines nach und nach geschlossen.“ Insbesondere als die kostenlosen Bürgertests endeten, habe die Nachfrage spürbar nachgelassen. Er habe die letzte verbliebene Teststelle nur deshalb bis Ende November weiterführen wollen, weil er noch so viele Tests auf Lager hatte. „Und jetzt stehen die Leute hier wegen der 3G-Pflicht am Arbeitsplatz Schlange und sind unzufrieden, weil sie lange warten müssen und dann nicht pünktlich auf Arbeit kommen. Vor vier Wochen wollte ich es noch schließen, weil es sich nicht rechnet, und jetzt weiß ich kaum, wie ich alle testen soll. Das Chaos, das wir heute erleben, können wir keine Wochen oder Monate mehr durchhalten.“

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