BfArM lockert Abgabe

Hydroxychloroquin: Aufhebung der Versorgungsregelungen Alexandra Negt, 09.07.2020 11:55 Uhr

Für Mediziner galt eine Mengenbeschränkung: Ärzte sollten laut BfArM jeweils maximal 100 Tabletten à 200 mg auf einem Rezept verschreiben, da dies einer üblichen Dosierung im Rahmen der Dauertherapie von zweimal täglich 200 mg für einen Zeitraum von 50 Tagen entspreche. Für eine Malariatherapie sind weitaus weniger Tabletten verordnungsfähig: Innerhalb der ambulanten Prophylaxe ist eine Verordnung von maximal zwölf Tabletten erlaubt.

Rheumatologen befürchteten einen Versorgungsengpass der Chroniker und begrüßten die Abgaberegeln: „Die Deutsche Rheuma-Liga blickt mit großer Sorgfalt auf mögliche Versorgungsengpässe mit Medikamenten in Europa.“ Erste Meldungen über Lieferausfälle führten dazu, dass die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) Kontakt zu den Herstellern des Arzneistoffes aufgenommen hatten um einen möglichen anhaltenden Engpass entgegenzuwirken: „Bei Lieferschwierigkeiten können sich Apotheker nun direkt an die Hersteller wenden.“

Studien gestoppt

Ende Mai folgte das Aus für den Arzneistoff. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beendet die klinischen Tests mit Hydroxychloroquin und Chloroquin, da es unter der Anwendung dieser Wirkstoffe zu zahlreichen Nebenwirkungen ohne signifikante Wirkung gegen Covid-19 kommt. Erste Studien wurden bereits Anfang April abgebrochen. Verschiedene wissenschaftliche Artikel zeigten, dass Menschen, die das Medikament einnahmen, ein höheres Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse hatten als diejenigen, die das Malariamittel nicht einnahmen. Unter der Einnahme dieser Medikamente verstarben mehr Patienten als in den Kontrollgruppen (Standard-Covid-Therapie).

Die WHO schlussfolgerte: „Diese Ergebnisse legen nahe, dass diese Therapieschemata nicht außerhalb klinischer Studien angewendet werden sollten und eine dringende Bestätigung durch randomisierte klinische Studien erforderlich ist.“ Vor gut vier Wochen folgte dann die Reaktion in Amerika: Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat die Erlaubnis zum klinischen Einsatz von Hydroxychloroquin bei Patienten mit Covid-19 widerrufen. Somit darf der Arzneistoff nicht mehr offiziell zur Behandlung oder Prophylaxe von Corona-Infektionen eingesetzt werden.

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