Coronavirus

Hamsterkäufe bei Versandapotheken Patrick Hollstein, 02.03.2020 09:31 Uhr

Berlin - 

Nudeln und Konserven waren am Wochenende in vielen Geschäften ausverkauft, doch Hamsterkäufe wegen des Coronavirus gibt es nicht nur bei Lebensmitteln. Versandapotheken wie DocMorris und Shop-Apotheke beobachten eine explosionsartig gestiegene Nachfrage nach OTC-Medikamenten.

Auf Nachfrage von APOTHEKE ADHOC hat sich der Datendienstleister DatemedIQ am Wochenende die aktuellen Abverkaufszahlen angesehen. Als Joint Venture von DocMorris und Shop-Apotheke verfügt das Marktforschungsunternehmen über tagesaktuelle Zahlen. Selbst die Experten waren von dem Ausmaß überrascht.

Während der gesamte Non-Rx-Markt im Durchschnitt um 12 Prozent im Vergleich zum Vorjahr wächst, ist der Umsatz in der vergangenen Woche um 61 Prozent explodiert. Besonders auffällig ist die Entwicklung bei einzelnen ATC-Klassen:

  • Grippemittel: plus 133 Prozent über Vorjahr
  • Analgetika: plus 138 Prozent über Vorjahr
  • Multinährstoffkonzepte, immun: plus 326 Prozent über Vorjahr (Normwachstum: rund 26 Prozent)
  • Desinfektionsmittel: extreme Nachfrage, seit Mittwoch/Donnerstag Abbruch wegen Lieferschwierigkeiten

Die Börse hatte diese Entwicklung offenbar schon vorweg genommen: Während der Dax in der vergangenen Woche um 15 Prozent einbüßte, kamen die EU-Versender vergleichsweise glimpflich davon: Die Kurse von Shop-Apotheke und Zur Rose gaben jeweils um 6 Prozent nach, wobei auch die Schlussanträge am Europäischen Gerichtshof (EuGH) eine Rolle gespielt haben könnten. Die Aktie des Sterilium-Herstellers Paul Hartmann zog übrigens um 20 Prozent an.

Doch nicht nur Versandapotheken sehen ihr Geschäftsmodell durch das Coronavirus beflügelt. Dr. Daniel Schneider, neuer Deutschlandchef von Kry, wirbt dafür, Patienten und Gesundheitssystem in Zeiten von Epidemien durch digitale Lösungen zu entlasten. Denn auch wenn die Lebensgefahr durch Corona-Infektionen eher gering sei, werde durch die schnelle Verbreitung die Betroffenenzahl in Europa schnell steigen. „Der Bedarf nach schnellem ärztlichen Rat wird in den nächsten Tagen und Wochen hoch sein. Dies stellt unser Gesundheitssystem vor eine große Herausforderung.“

Europaweit seien die Virusinfektionen um mehr als 60 Prozent gegenüber Januar gestiegen, so Schneider mit Verweis auf die Patientenstatistiken von Kry. „Dies ist sicherlich auch durch übliche saisonale Effekte getrieben, allerdings suchen Patienten Informationen zum Coronavirus gesteigert im Internet und informieren sich immer mehr auf den von Kry angebotenen Websites zum Thema.“

„Als Marktführer mit der Erfahrung aus mehr als 1,5 Millionen Videosprechstunden in Europa sind wir überzeugt, dass die digitale Versorgung in Zeiten von Epidemien und Pandemien Patienten und Gesundheitssystem entlasten kann“, so Schneider. „Die Videosprechstunde wird damit umso mehr zum wichtigen Baustein der Gesundheitsversorgung, denn sie kann als flexible Lösung schnell auf gesteigerte Anfragen reagieren.“

Über die Videosprechstunde könne ein Arzt den allgemeinen Zustand des Patienten einschätzen und auf Basis der Anamnese und medizinischer Informationen die nächsten Schritte vorschlagen. „Dabei richten sich unsere Ärzte nach den Vorgaben der Gesundheitsbehörden und profitieren vom Erfahrungsaustausch mit europäischen Kolleginnen und Kollegen im Kry-Netzwerk.“

Die Devise „Video statt Wartezimmer“ gelte auch für Patienten mit anderen Erkrankungen, die sich so eine Ansteckungsgefahr weniger aussetzten. „Aber auch Patienten mit Symptomen, die denen des Covid-19 ähnlich sind, können zeitnah eine ärztliche Einschätzung ihrer Symptome und eine sichere Beratung über die möglichen nächsten Schritte erhalten – und gefährden gleichzeitig keine anderen Patienten oder das medizinische Fachpersonal.“

Schneider: „Jeder Patient sollte Videosprechstunden nutzen können, damit wir auf die mögliche besondere Belastung des Gesundheitssystems reagieren und die Möglichkeiten der Digitalisierung jetzt nutzen. Wir müssen gemeinsam handeln und nach Lösungen suchen, wie rechtliche Hürden ausgesetzt werden – und sei es nur für einen begrenzten Zeitraum.“

Heute könnten nur Privatpatienten Kry mit Kostenübernahme nutzen. „Wir stehen für Gespräche bereit, um es möglich zu machen, dass kurzfristig auch gesetzlich Versicherte unsere App mit Kostenerstattung nutzen können, wenn dies die Lage erfordert.“